Object: Theoretische Sozialökonomie

ix Kap. XX.. Die handelspolitischen Systeme. 
stellt. Eine Zeit, die trotz ungleich günstigerer Verhältnisse sich dennoch 
nicht von den gröbsten Wahnvorstellungen der naiven Handelsbilanz- 
theorie zu befreien vermocht hat, hat wahrlich keine Veranlassung, 
sich auf Kosten der Merkantilisten lustig zu machen. Andererseits 
darf man natürlich nicht in der Rechtfertigung des Merkantilismus zu 
weit gehen, da‘ seine theoretisch-ökonomische Grundlage ohne Zweifel 
sehr mangelhaft war. 
8 84. Das Freihandelssystem. 
An die Spitze seines Werkes über den Reichtum der Nationen 
stellt Adam Smith ein Kapitel über die Arbeitsteilung. In seiner Auf- 
fassung ist die Arbeitsteilung die wichtigste Bedingung für die Erhöhung 
der Produktivität der menschlichen Arbeit und überhaupt für die ganze 
wirtschaftliche Entwicklung. Diese Auffassung bildet auch den Grund 
für seine Beurteilung des internationalen Handels. Der Vorteil des- 
selben besteht darin, daß er für die Arbeitsteilung ein weiteres Gebiet 
eröffnet, wodurch diese viel weiter getrieben werden kann als es möglich 
ist, so lange jedes Land auf sich selbst angewiesen bleibt. Der aus- 
wärtige Handel ermöglicht es, die einheimische Überschußproduktion, 
für welche keine genügende Nachfrage besteht, auszuführen, und gegen 
dieselbe Waren einzuführen, die stark nachgefragt sind. Durch das 
Schaffen eines Marktes für jeden Überschuß, womit die eigene Pro- 
duktion des Landes seine Konsumtion übersteigt, ermuntert. der aus- 
wärtige Handel die Entwicklung der Produktivkräfte und steigert somit 
den Reichtum des Landes. 
Auch wenn eine fremde Ware in eigenem Lande produziert werden 
kann,ist es immer besser die Ware vom Auslande zu kaufen, wenn die Ware 
in dieser Weise billiger zu haben ist, d. h. wenn sie eingetauscht werden 
kann gegen Waren, die man in eigenem Lande mit weniger Aufwand 
von Produktivkräften herstellen kann. In der Wirtschaft der Familie 
sucht man nicht eine Sache zu Hause herzustellen, die man billiger 
kaufen kann. Der Schneider sucht nicht seine eigenen Schuhe zu machen, 
sondern kauft dieselben von einem Schuhmacher im Austausch gegen 
Kleider. Jeder findet es in seinem Interesse, seine Produktivkräfte 
auf dem Gebiete zu verwenden, wo er einen Vorteil gegenüber seinen 
Nachbarn hat, um mit seinen Produkten die übrigen Waren, die er 
braucht, zu kaufen. „Was im Haushalt jeder privaten Familie Weis- 
heit ist, kann kaum Torheit sein im Haushalt eines großen Königreichs. 
Wenn ein fremdes Land uns mit einer Ware billiger versorgen kann, als 
wir sie selber machen können, ist es besser,unsere Arbeit auf dem Ge- 
biete zu verwenden, wo wir einen Vorteil haben, und mit einem Teile 
des Produktes dieser Arbeit die Ware vom Auslande zu kaufen.“ 
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