Din Kap. XX. Die handelspolitischen Systeme.
fassung der Relativität der Produktionsvorteile der verschiedenen
Länder wurde später von Ricardo und seinen Nachfolgern zu einer
Theorie der „komparativen Kosten‘ entwickelt, die es klar machte,
daß auch ein Land, das in allen Produktionszweigen höhere Produktionskosten,
z. B..in Arbeitsstunden gerechnet, hätte, jedoch gewisse Produkte
exportieren könnte, um dafür andere Produkte zu kaufen. Die Voraussetzung
hierfür war nur, daß sich das Land auf solche Produktionszweige
konzentrierte, wo es relativ am vorteilhaftesten gestellt war.
Einen tieferen Einblick in diese Verhältnisse werden wir in Zusammenhang
mit der allgemeinen Theorie des internationalen Handels gewinnen.
Die Kritik der Freihandelslehre gegen jede staatliche Regelung
des Handels beruht wesentlich auf dem Satz, daß das gesellschaftliche
Einkommen sein Maximum erreicht, wenn sich das Wirtschaftsleben
von staatlichen Eingriffen frei entwickeln darf. Nach Adam Smith
sucht der einzelne immer sein Kapital in solchen Produktionszweigen
zu verwenden, wo es das größtmögliche Produkt schafft. Wenn dies
überall geschieht, so muß auch die gesamte Produktion der Gesellschaft
ihren höchsten Wert erreichen. Dieser Gesamtwert ist aber eben das
Einkommen der Gesellschaft, welches also von der freien wirtschaftlichen
Betätigung der Individuen auf seine höchste Höhe gebracht wird.
Jeder Eingriff des Staates muß dem Kapital eine weniger lohnende
Verwendung geben. Denn wäre die Verwendung an sich mehr lohnend,
so brauchte der Staat nicht einzugreifen. Der Staat kann also durch
eine Regelung des Handels, die einem Beeinflussen der Kapitalverwendung
gleichkommt, nur das Gesamteinkommen der Gesellschaft vermindern.
Diese Beweisführung hat, wenn sie auch nicht ganz einwandsfrei
ist, jedenfalls den großen Verdienst, die Bedeutung einer ökonomisch
richtigen Kapitalverwendung hervorzuheben. Diejenigen, die ein staatliches
Eingreifen zugunsten irgendeines speziellen Zieles fordern, stellen
die Sache gewöhnlich so dar, als könnte das nötige Kapital aus der Luft
geholt werden. Dem gegenüber muß es klar gemacht werden, daß
Kapital nicht für einen gewissen Zweck in Anspruch genommen werden
kann, ohne daß es von einer anderen Verwendung gezogen wird. Da
die Menge des zur Verfügung stehenden Kapitals begrenzt ist, so muß
deshalb jedenfalls a priori, d. h. bis das Gegenteil im einzelnen Falle
klar nachgewiesen wird, angenommen werden, daß die wirtschaftlichste
Kapitalverwendung und damit das größtmögliche Einkommen bei
Freihandel erreicht werden.
Wir müssen aber beachten, daß unser Satz jedenfalls keine weitere
Gültigkeit besitzt als die in seiner angegebenen Formulierung liegende.
Der Satz sagt nur, daß das Einkommen der Gesellschaft, definiert als
die Summe der Privateinkommen, bei Freihandel ein Maximum erreicht,
Es bleibt also eine offene Frage, ob durch eine staatliche Regelung des
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