Kinder massakriert, gleichzeitig hat man in dem kleinen Bezirk Ru-
gowo, oberhalb Ipek, Hunderte von Frauen und Kindern in ihren
eigenen Heimen lebendig verbrannt. Die Statistiken über diese
Kinder und über diese Frauen, die lebendig verbrannt wurden, haben
wir regelmäßig allen kapitalistischen Großmächten vorgelegt, Beim
Völkerbund sagte man uns zynisch: „Hier sind wir am Genfer See,
hier ist ein mildes Klima, und ihr müßt andere Mittel suchen, um
zuch zu befreien!”
Die Großmächte haben uns manchmal mit einem kurzen Schrei-
ben geantwortet, in dem sie uns mitteilten, daß sie diese Statistiken
und Proteste erhalten und davon Notiz genommen hätten,
Wir haben im Jahre 1921 ein Massaker erlebt, ganz nach dem-
selben System, im Kreise von Pritschtina, wo tausend Albanier,
Frauen, Kinder und Greise, einen tragischen Tod gefunden haben,
Im Jahre 1924, in der Nähe der Stadt Mitrowitza (Amselfeld), wurden
zwei Dörfer mit 300 Familien vernichtet, Man sagte, zwei Banditen
seien in diese Dörfer geflüchtet, die sich nicht ergeben wollten,
und deswegen habe man die Dörfer vernichtet. Wir haben weiter
protestiert, Auf Grund der abgeschlossenen Verträge gelang es uns
schließlich doch, die Aufmerksamkeit der kapitalistischen Groß-
mächte auf diese Zustände zu lenken. Wir sagten ihnen, man möge
doch wenigstens die eingegangenen Verträge halten. Einmal — es
war im Jahre 1924 — ersuchte der Völkerbund die Belgrader Re-
sierung um Aufklärungen über diese Massakers und besonders über
die Geschehnisse im Kreise Kossowo, Der Völkerbund bestimmte
für die Antwort eine Frist von zwei Monaten, Im Moment aber, als
der damalige Ministerpräsident Paschitsch dem Völkerbüund ant-
wortete, wurde Albanien durch die Jugoslawen überfallen und
größere Gebiete zerstört, Da erklärte mir der Leiter der Sektion
für Minoritäten: „Wir haben heute die Antwort aus Belgrad er-
halten, folglich können wir eure Angelegenheit in dieser Situation
nicht diskutieren.‘ Das war die ganze Antwort, die uns der Völker-
bund gab.
Gerechtigkeit gibt es in Kossowo überhaupt nicht, Es gibt Ge-
richte, aber diese sind einzig und allein dazu geschaffen, um den
Plünderungen, Massakers und allen Ungerechtigkeiten gegenüber der
Bevölkerung eine legale Form zu verleihen.
Was die Wahlen betrifft, sowohl Gemeinde- als auch Skuptsch-
tinawahlen, so haben die Albaner von Kossowo das Recht, abzu-
stimmen, aber bloß unter der Bedingung, daß sie für die serbischen
Demokraten oder aber für die Radikalen stimmen,
Jede legale Organisation, jede nationale legale Bewegung ist
gänzlich verboten. Im Kossowogebiet besteht keine einzige legale
nationale politische Gruppierung, Was die Agrarreform betrifft, so
besteht sie darin, daß die Albaner verjagt und auf ihren Boden
Wrangel-Kolonisten oder aber montenegrinische Kolonisten kommen,
Das sind die Agrarreformen im Kreise von Kossowo. Denn sind die
albanischen Bauern im allgemeinen schon Kleinbesitzer, so haben sie
auch nicht genügend Grund und Boden, um ihn noch an Fremde
zu geben.
Wir haben 10000 Kossowo-Albaner, die nach Albanien, und
50000, die bisher in die Türkei geflüchtet sind.
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