id Kap. V. Einleitung.
früher entwickelt, die Preisbildung. Die Produktionsmittel strömen aber
nicht von selbst in die von der Preisbildung bestimmte Richtung. Sie
bedürfen eben der Leitung durch eine menschliche Tätigkeit. Der
Unternehmer ist es, der die Mitwirkung der Produktionsmittel kauft und
die Produkte seines Unternehmens verkauft. Die ganze Preisbildung der
Produktionsmittel läuft also im allgemeinen durch die Hände der
Unternehmer, kommt ‚erst durch die Unternehmertätigkeit zustande.
Wir haben nun die Rolle der Unternehmertätigkeit im Produktions-
prozeß zu charakterisieren und gegen diejenige der Produktionsfaktoren
abzugrenzen. Die Rolle des Unternehmers kann am besten so bestimmt
werden, daß der Unternehmer andere Produktionsmittel als seine eigene
Arbeitskraft für produktive Tätigkeit organisiert und in Wirksamkeit
setzt. Auch der Unternehmer ist uns in erster Linie ein Typus. Dieser
typische Unternehmer ist der Leiter des Großbetriebs, in dem alle
Produktionsfaktoren, und zwar in großer Stufenleiter, Verwendung
finden. Dieser Unternehmer kann im wesentlichen als „der Unter-
nehmer‘ betrachtet werden. Zwar besitzt er in Wirklichkeit meistens
ein Kapital, das dem Unternehmen gewidmet ist. In dieser Eigenschaft
ist er aber Kapitalist, nicht Unternehmer. Auch leistet er im Dienste
seines Unternehmens eine gewisse Arbeit der einen oder anderen Art.
Insofern ist er aber Arbeiter im weiteren Sinne dieses Wortes. Wir
müssen ihn also als Persönlichkeit gewissermaßen aufteilen, um uns den
reinen Unternehmer isoliert vorstellen zu können.
Eine unternehmerartige Tätigkeit wird im wirklichen Wirtschafts-
leben sehr häufig von Personen ausgeübt, die man kaum als Unter-
nehmer im eigentlichen Sinne bezeichnen kann. Der Handwerker, der
Bauer, nimmt in seinem Produktionsprozeß auch andere Produktions-
faktoren als seine eigene Arbeitskraft: fremde Arbeitskraft, Kapital
und Boden, zu Hilfe. Vielleicht ist er hauptsächlich selbst ein Arbeiter.
Wir müssen aber auch seine Person zerlegen, damit wir ihn in seiner
Unternehmertätigkeit auch als Unternehmer theoretisch erfassen können.
Durch dieses Verfahren gewinnen wir, daß, wenn wir von Unternehmern
sprechen, wie darunter alle Personen, die irgendwie eine Unternehmer-
tätigkeit ausüben, eben in dieser Eigenschaft mit einbegreifen können.
Das wirtschaftliche Motiv jeder Unternehmertätigkeit ist das
Streben nach einem Gewinn. Der Unternehmergewinn besteht im
Überschuß des Rohertrags über die Kosten, d. h. über das, was für die
Mitwirkung der Produktionsfaktoren gezahlt werden muß. Wenn der
Unternehmer selbst zum Teil die Arbeit eines Arbeiters oder eines An-
gestellten verrichtet, oder Kapital oder Boden in das Unternehmen ein-
setzt, muß er für die Mitwirkung dieser Produktionsfaktoren Zahlung
nach den allgemein geltenden Preisen berechnen. Nur der Rest, der
danach etwa übrig bleibt, stellt den wirklichen Unternehmergewinn dar.
Dieser Unternehmergewinn hat auf den ersten Blick den Charakter
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