Der dritte Grund für die Ueberschätzung der gegenwärtigen Güter 157
duktivgüter zieht die Erhöhung des Wertes für die gegenwärtigen
Konsumtionsgüter nach sich.
Soweit der „dritte Grund‘. Ehe wir zur Kritik dieses wichtig-
sten und, wie wir glauben, am meisten scholastischen Arguments
Böhm-Bawerks übergehen, wollen wir nochmals seinen Ge-
dankengang kurz formulieren:
1. Die gegenwärtigen Produktivgüter ergeben eine größere
Produktmenge als die zukünftigen.
2. Der Wert dieses Produkts in jedem gegebenen Moment,
ebenso wie das Maximum des Wertes, ist bei den gegen-
wärtigen Produktivgütern größer.
3. Deshalb ist der Wert der gegenwärtigen Produktions-
mittel größer als der der zukünftigen.
4. Da die gegenwärtigen Konsumtionsgüter es ermöglichen,
die Produktionsmittel für die produktivsten Operationen zu ver-
wenden, d. h. sie für eine lange Zeitdauer sofort zu verwenden,
so haben die gegenwärtigen Konsumtionsgüter einen höheren
Wert als die zukünftigen.
Und nun zur kritischen Untersuchung dieser Argumentation.
Zu 1: Die gegenwärtigen Produktivgüter, heißt es bei Böhm-Ba-
werk, ergeben eine größere Produktmenge. Als Beweis figuriert
Tabelle I. Wenn die Böhmsche Argumentation überhaupt irgend-
einen Sinn gewinnen soll, muß alles ausgeschaltet werden, was
mit den oben erörterten ersten zwei ‚„Gründen‘ der Ueber-
schätzung der gegenwärtigen Güter in Zusammenhang steht. Die
gewonnene Produktmenge muß unabhängig davon genommen
werden, wann sie gewonnen wird. Indessen brechen die Pro-
duktionsreihen in der Böhmschen Tabelle mit ein und demselben
Jahre ab. Nehmen wir aber an, daß der Zeitpunkt der Gewin-
nung des Produktes für uns ohne Belang ist, so kommen wir,
wie dies Bortkievitz gezeigt hat, zu wesentlich anderen Ergeb-
nissen:
Tabelle 1
Ein Arbeitsmonatim Jahre
| 1909... 1910... 1411. ; 1912
Sn 1909 100° —
3 1910 200 100 - :
&E 1911 280 200 ,“ ;
ue6‘1 19124 8350: 280 0% al
ES 1913 400 350 280 um
3% 1914 440 400 350 250
- 1915 470 440 400 3850 &
x 1916 500 470 - 440 . 400