Metadata: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

Die neuen politischen Ideen. 
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im Kopfe hatte, unterliess es leicht, die Consequenzen der 
begründenden Souveränetät des Individuums systematisch zu 
ziehen. Aber um so Vollkommneres leistete er darin, die 
greifbaren, berechenbaren (materiellen) Zwecke resp. Interessen 
des Individuums zur alleinigen Richtschnur bei Untersuchung 
jeder Frage der Privatmoral und des öffentlichen Wohls zu 
nehmen. Nicht -die Nützlichkeitslehre an sich — denn was 
kann man Alles unter Nützlich verstehen! — sondern dass 
man das dem isolirten Individuum Nützliche zur Richtschnur 
nahm, das macht das Wesen des Utilitarianismus aus, der bei 
Bentham ausgebildet vorliegt und der in der Form, wie ihn 
der gefällige Mill schliesslich formulirt, heute die Engländer 
beherrscht. Dieser Utilitarianismus ist nur eine Seite des 
Individualismus -— und ihm unterwerfen sich, wie wir sehen 
werden, faktisch auch die prinecipiellen Gegner der Volks- 
souveränetätslehre in England, ihm zog selbst der stärkste 
christliche Sinn, sogar unter den Anhängern der Staatskirche, 
keine Schranken. 
So kam es, dass eine Inconsequenz das moderne Eng- 
land vor gewaltiger Revolution und Anarchie bewahrte, — 
eine in dieser Hinsicht praktisch segensreiche Inconsequenz, 
die aber nicht die Kraft besass, dem englischen Volke neue 
lebensfähige und lebensvolle ethische und volitische Ideale 
Zuzuführen. 
Auch das Dissenterthum, welches die politische Opposition 
in einer gewissen heilsamen christlichen Zucht erhielt und 
dem Revolutionsgelüste Zügel anlegte, vermochte nicht den 
ethischen Materialismus zu bekämpfen, sondern bahnte ihm — 
in oft naiver Weise die Wege, Man sieht dies deutlich an 
Priestley, dem vielleicht interessantesten unmittelbaren Vor- 
gänger von Bentham. 
Wie schon Hobbes trotz aller höchst materialistischen Auf- 
fassung des Staats ete. „seinen Frieden mit der Kirche gemacht 
hatte“ 1): wie Locke bei seiner Auffassung vom Staat von utili- 
1) Siehe Lange, Geschichte des Materialismus, 2. Aufl. Bd. 1, 
S. 249 u, 9254.
	        
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