thumbs : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

320  Zweiter  Teil.  Handel.  XIV.  Buch-  und  Zeitungswesen.

Nutzen,  ihre  Produktivität.  In  den  verschiedenen  Graden  der  Nutzbarkeit  literarischer
Güter  osfenbart  sich  zugleich  das  Maß  der  Abhängigkeit  des  denkenden  Menschen  von
den  literarischen  Hülfsmitteln,  wonach  sie  sich  in  eine  bestimmte  Rangordnung  einteilen ­
  lassen,  die  im  folgenden  kurz  wiedergegeben  werden  soll:
In  die  erste  Ordnung  sind  alle  diejenigen  Schriften  und  Werke  zu  rechnen,
deren  Nießbrauch  die  berufliche  Existenz  sicherstellt,  —  die  also  das  geistige  Rüstund
  Handwerkszeug  der  menschlichen  Daseinsnotwendigkeit  verkörpern,  oder  die
Brotliteratur.
In  die  zweite  Ordnung  gehören  diejenigen  Bücher  und  Schriften  des  literarischen
Lebensbedarfes,  welche  außerhalb  des  unumgänglichen  Kaufzwanges  stehen,  immerhin ­
  aber  mehr  oder  minder  unentbehrlich  sind  für  Erleichterung  und  Förderung  der
Berufswaltung  durch  Selbstunterricht,  Pflege  des  staatlichen  Kultusdienstes  usw.
In  die  dritte  Ordnung  sind  schließlich  alle  literarischen  Güter  freien  geistigen
Nießbrauches  zu  rechnen,  frei  von  jeglichem  Kaufzwang.
In  diese  drei  Ordnungen  lassen  sich  alle  literarischen  Erscheinungen  einreihen,
und  es  gibt  dann  eine  Fülle  von  Unterabteilungen,  Arten  und  Abarten,  welche
durch  die  unendliche  Vielgestaltigkeit  des  literarischen  Lebens  bedingt  find.
Das  literarische  Leben  aber  umschließt  Buchgewerbe  und  Geistesarbeit  zu  einem
harmonischen  Ganzen,  in  dessen  Innern  gleich  der  Herztätigkeit  der  Hebel  des  technischen ­
  Fortschrittes  wirkt  und  schafft  von  Jahrhundert  zu  Jahrhundert,  das  wirre
Durcheinander  des  Gedankenmeeres  klärend,  sichtend  und  ordnend;  —  aber  darüber
schwebt,  wie  ein  ewig  blinkender  Stern  des  Lebens:  der  Menschheit  Hochgedanke.


2.  Der  deutsche  Buchhandel  in  seinen  verschiedenen
gweigen,  insbesondere  das  Kommissionsgeschäft.
Von  Gustav  Fischer.
Fischer,  Grundzüge  der  Organisation  des  deutschen  Buchhandels.  Jena,  Gustav  Fischer,
1903.  S.  39  und  S.  87-92.
Die  drei  Hauptbestandteile  des  deutschen  Buchhandels  der  Gegenwart  sind
Verlag,  Sortiment  und  Kommissionsgeschäft.  Der  Verlag  übt  im
großen  und  ganzen  die  produzierende  Tätigkeit  aus,  während  das  Sortiment  dazu
bestimmt  ist,  die  Produkte  des  Verlags  an  allen  Orten  direkt  an  die  Konsumenten  zu
vertreiben.  Das  Verhältnis  des  Verlegers  zum  Sortimenter  ist  gleich  dem  des  Fabrikanten ­
  zum  Kaufmann.  Wie  es  nun  bei  den  kaufmännischen  Geschäften  allerlei
Zwischenhändler  und  verschiedene  Arten  des  kaufmännischen  Betriebs  gibt,  so  auch
im  Buchhandel.  Wir  finden  neben  dem  reinen  Sortimentsgeschäft,  mit  dem  vielfach
Antiquariat,  z.  T.  Musikalien-  und  Kunsthandel  rc.  verbunden  sind,  mit  dem  Büchervertrieb ­
  beschäftigt  das  Barsortiment,  den  Groß-Restbuchhandel  oder  das  moderne
Antiquariat,  Zwischenglieder,  welche  sich  in  den  direkten  Verkehr  zwischen  Verlag  und
Sortiment  eingeschoben  haben,  dann  in  einer  Linie  mit  dem  Sortiment  die  Reiseund
  Kolportagebuchhandlungen,  die  den  Büchervertrieb  nur  auf  andere  Weise  als
die  Sortimentsbuchhandlungen  besorgen.
Der  dritte  Hauptzweig  des  deutschen  Buchhandels  ist  das  Kommissionsgeschäft.
Dasselbe  hat  vor  allem  die  Aufgabe,  die  verkehrsvermittelnde  Tätigkeit  zwischen  Verlags- ­
  und  Sortimentsbuchhandel  an  den  buchhändlerischen  Zentren  auszuüben.
Kommissionäre  waren  zunächst  diejenigen  Buchhändler  an  den  Meßplätzen
Frankfurt  und  Leipzig,  welche  die  Auslieferung  der  Verlagswerke  auswärtiger  Ver-
            
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