Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

1.  Buchgewerbe  und  Geistesleben.

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Die  praktische  Übung  erzieherischer  Tätigkeit  stützt  sich  nun  vor  allem  auf  die
Bildungsmittel,  unter  denen  die  literarischen  naturgemäß  den  ersten  Rang  einnehmen. ­
  Ihre  Beschaffenheit  war  von  jeher  großen  Schwankungen  unterworfen,
je  nach  dem  Niveau  des  obwaltenden  Kulturzustandes,  der  Absicht  des  Erkennens
und  dem  Grad  individueller  Empfänglichkeit.  Sie  hat  gleich  diesem  ihre  geschichtliche
Entwickelung.  In  der  Qualität  der  Bildungselemente  liegt  ein  bedeutsames  Kennzeichen ­
  des  Bildungswertes  und  Bildungsstandes  einer  Familie,  einer  Gemeinde,  eines
Volkes,  einer  Völkergemeinschaft.  Von  den  einfachsten  Formen  schreitet  sie  fort  zu
immer  höherer  Vollendung.  Dies  gilt  im  allgemeinen  von  der  Qualität  der
literarischen  Bildungswerkzeuge.  Im  besonderen  gehören  sie  einer  bestimmten
Rangordnung  an,  welche  weiter  unten  noch  des  näheren  betrachtet  werden  soll.
Das  Bindeglied  zwischen  beiden  Gebieten,  dem  Buchgewerbe  und  der  Geisteskultur, ­
  ist  die  Technik  im  allgemeinen  und  die  graphische  Technik  im  besonderen.
Die  Einwirkung  der  Schrift  in  all  der  Vielseitigkeit  ihrer  technischen  Verwendung
auf  den  Werdegang  des  Geisteslebens  tritt  in  der  Geschichte  des  Buchgewerbes  und
namentlich  der  graphischen  Technik  besonders  wirkungsvoll  hervor.  Sie  verbürgt  den
engen,  ja  untrennbaren  Zusammenhang  mit  der  Geschichte  der  geistigen  Bildung,
—  ein  Konnex,  der  durch  das  stete  Zusammenfließen  der  beiderseitigen  Interessengebiete ­
  fest  gefügt  ist.  Die  Innigkeit  der  wechselseitigen  Beziehungen  erklärt  die
Tatsache,  daß  die  Geschichte  des  Buchgewerbes  zugleich  ein  hochbedeutendes,  weil
grundlegendes  Stück  Kulturgeschichte  enthält,  ja  enthalten  muß.  Sie  beschreibt
die  Entstehung  und  Verwertung  jener  Elemente,  durch  welche
der  Menschheit  eine  höhere  Daseinsform  geschaffen,  ihr  ein
menschenwürdiges  Leben  begründet  und  erhalten  wurde.
Art  und  Umfang,  Zweck,  Richtung  und  Tempo  buchgewerblichen  Fleißes  ändern
sich  mit  dem  Werden  und  Vergehen  auf  dem  Gebiete  des  geistigen  Lebens,  dessen
Atemzug  rein  dynamisch  durch  das  Entwicklungsvermögen  der  graphisch-technischen
Hülfsmittel  bedingt  ist.  So  spiegelt  sich  in  den  Erzeugnissen  des  Buchgewerbes  die
geistige  Arbeit  wieder,  als  eine  lebensvolle  und  lebensspendende  Reflexerscheinung.
Ein  jedes  für  das  Kulturleben  wichtige  Ereignis  wird  vom  literarischen  Verkehr
begierig  aufgenommen,  ganz  seiner  Bedeutung  entsprechend  ökonomisch  fruktifiziert,
und  somit  werden  Geistesregungen  in  klingende  Münze  umgeprägt.  So  ist  das
Buchgewerbe  die  Münzstätte  der  Geisteskultur,  die  leider  nur
zu  oft  versagt,  da  ihre  Fruchtbarkeit  von  der  Absatzfähigkeit  der  Geistesprodukte  abhängt ­
  und  selbst  dann,  wenn  alle  Bedingungen  der  Rentabilität  des  Geistes  gegeben ­
  sind,  unter  dem  Drucke  eines  maßlosen  Egoismus  schmachtet.  So  ziehen  sich
beide  Gebiete  an  und  stoßen  sich  ab.  Die  geistige  Rentabilität  entscheidet ­
  über  Sein  und  Nichtsein  im  Kulturleben.
Der  enge,  bald  friedlich-schöpferische,  bald  widerstrebend-erzwungene  Zusammenhang ­
  der  erwähnten  Interessensphären  tritt  des  weiteren  recht  deutlich  in  der  Erscheinung ­
  zutage,  daß  Aufschwung  und  Niedergang  auf  der  einen  Seite  sich  unmittelbar ­
  der  anderen  mitteilen  und  auf  diese  übergehen,  jedoch  mit  dem  Unterschiede, ­
  daß  selbst  die  schwerste  Katastrophe,  welche  je  die  Kultur  getroffen,  nicht  in
gleichem  Maße  verderblich  auf  die  geistigen  Schöpfungen  einwirkt.  Die  Errungenschaften ­
  des  Wissens,  wenn  auch  vorübergehend  ökonomisch  entwertet,  leben  fort  in
den  Erzeugnissen  buchgewerblichen  Fleißes  und  erlangen  in  denselben  unvergänglichen
Wert;  —  ja,  sie  haben  etwas  von  der  Dauer  architektonischer  Kunstwerke,  wenn  sie
auch  nicht  mit  der  gleichen  Widerstandskraft  allen  äußeren  Einwirkungen  zu  trotzen
vermögen.
Aber  das  beste  und  zuverlässigste  Unterpfand  eines  untrennbaren  Konnexes
zwischen  Buchgewerbe  und  Geistesleben  ist  der  den  Geistesschöpfungen  entströmende
            
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