Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

322  Zweiter  Teil.  Handel.  XIV.  Buch-  und  Zeitungswesen.

Kommissionsplätze:  Augsburg,  Frankfurt,  Nürnberg  und  München  sind  alle  im  Anfang ­
  der  siebziger  Jahre  als  solche  eingegangen.
In  Leipzig  haben  fast  alle  zum  deutschen  Buchhandel  gehörigen  Firmen  ihren
Kommissionär,  verschiedene  haben  je  nach  der  Lage  ihres  Geschäftssitzes  noch  ein  oder
zwei,  auch  drei  andere  Kommissionäre.
Die  Zahl  der  von  den  Kommissionsgeschäften  vertretenen  Firmen  schwankt
zwischen  1  und  804.  Auch  beim  Kommissionsgeschäft  ist  der  Großbetrieb  besonders
lohnend.  Wir  finden  daher  auch,  daß  die  Zahl  der  Kommissionäre  nicht  mit  der  Zahl
der  Kommittenten  gewachsen,  sondern  eher  zurückgegangen  ist,  infolge  des  Ankaufs
kleinerer  Firmen  durch  große  Kommissionsgeschäfte  rc.  Die  größten  Betriebe  hat
naturgemäß  Leipzig.  Wir  finden  dort  3  Geschäfte  mit  600—804  Kommittenten,  3  mit
300—600  Kommittenten,  9  mit  200—300  und  12  mit  100—200  Kommittenten.  In
Stuttgart  ist  die  höchste  Kommittentenzahl  einer  Firma  234  und  in  Wien  158.*)
Der  buchhändlerische  Kommissionär  ist  nicht  dem  Kommissionär  im  Sinne  des
Handelsgesetzbuchs  gleichzustellen,  welcher  es  gewerbsmäßig  übernimmt,  Waren  oder
Wertpapiere  für  Rechnung  eines  anderen  (des  Kommittenten)  in  eigenem  Namen  zu
kaufen  oder  zu  verkaufen.  Der  buchhändlerische  Kommissionär  ist  vielmehr  der  einfache ­
  Bevollmächtigte  des  Kommittenten  und  ist  in  dessen  Auftrag,  Namen  und  für
dessen  Rechnung  tätig.
Der  Kommissionär  wird  in  der  Regel  ein-  für  allemal  mit  der  Vertretung  einer
Firma  am  Kommissionsplatz  betraut.  Er  wird  bei  der  Etablierung  der  Firmen  auf
den  Zirkularen  angegeben,  ist  auf  den  Verlangzetteln  rc.  genannt  und  wird  außerdem
in  den  buchhändlerischen  Zeitschriften  bekannt  gegeben,  wie  er  auch  in  den  buchhändlerischen ­
  Adreßbüchern  rc.  stets  bei  den  Firmen  der  Kommittenten  genannt  ist.  Der
Kommissionär  gilt  so  lange  als  Vertreter  einer  Firma,  bis  ein  öffentlicher  Widerruf
erfolgt  ist;  für  die  Mitglieder  des  Börsenvereins  der  Deutschen  Buchhändler  gilt  als
öffentliche  Bekanntmachung  die  diesbezügliche  Anzeige  in  dem  Börsenblatt  für  den
Deutschen  Buchhandel.  Er  ist  ohne  weiteres  zur  Empfangnahme  von  Sendungen
aller  Art  sowie  zur  Empfangnahme  von  Zahlungen  für  Rechnung  des  Kommittenten
befugt.  Ebenso  liefert  er  dessen  Sendungen  aus  und  leistet  in  seinem  Auftrag  und
Namen  Zahlungen.
Für  die  Erledigung  der  Zahlungen  im  Auftrage  des  Kommittenten  wird  der
Kommissionär  von  diesem  mit  Kasse  versehen.  In  einzelnen  Fällen  kommt  es  vor,
daß  der  Kommissionär  seinen  Kommittenten  dabei  Vorschüsse  gewährt,  ebenso  wie  bei
den  später  zu  gewährenden  Ostermeßzahlungen,  was  teilweise  zu  einer  wenig
wünschenswerten  Abhängigkeit  der  Kommittenten  von  ihrem  Kommissionär  führt.  Im
allgemeinen  aber  werden  die  Barsummen  dem  Kommissionär  eingezahlt  oder  auch
teilweise,  wenn  dies  nicht  erfolgt,  von  diesem  per  Tratte  erhoben.  Für  die  Speditionstätigkeit ­
  erhält  der  Kommissionär  im  allgemeinen  ein  Fixum  pro  Jahr;  eine  Einzelberechnung ­
  für  die  Besorgung  der  Pakete  findet  nicht  statt.  Dagegen  wird  von  ihm
die  für  die  Sendung  verwandte  Emballage  meist  nach  dem  Gewicht  berechnet,  während
er  selbst  für  die  von  den  Kommittenten  erhaltene  und  wieder  verwendbare  Emballage
nichts  vergütet.
Für  die  Besorgung  der  Barpakete,  der  Auslieferungslager,  der  Abrechnungsarbeiten ­
  rc.  stehen  dem  Kommissionär  Provisionen  zu.  Bemerkenswert  ist,  daß  vom

*)  Die  Zahl  der  von  den  Kommissionsgeschäften  vertretenen  Firmen  schwankt  auch  im
Jahre  1912  außerordentlich.  In  Leipzig  gibt  es  20  Geschäfte  mit  102—195  Kommittenten,
8  mit  206—284,  4  mit  330-377  und  je  1  mit  853,  864,  878  und  1057;  die  übrigen  110  haben
weniger  als  100  Kommittenten.  In  Stuttgart  ist  die  höchste  Kommittentenzahl  einer
Firma  456,  in  Wien  229  und  in  Berlin  119.  (Freundliche  Mitteilung  der  Geschäftsstelle  des
Börsenvereins  der  Deutschen  Buchhändler  zu  Leipzig).  —  G.  M.
            
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