Object: Die Entwickelung der Fabrikindustrie im lateinischen Amerika

Argentinien. 
Hinter Frankreich erscheint Deutschland als diejenige 
Nation, die die größten Summen in Argentinien angelegt hat. 
Es hat mit Erfolg den Kampf gegen England eröffnet und 
mit einem Betrage von 25 % des Gesamthandels Frankreich 
mit seinen 20,7 % auf den dritten Platz verwiesen. Das in 
Argentinien arbeitende Kapital kennt man nicht genau, doch 
werden die in den Banken, Handelshäusern, Estanzien, in- 
dustriellen Betrieben, Elektrizitätswerken, elektrischen Straßen- 
bahnen usw. angelegten Summen auf 150 Mill. P.G. ge- 
schätzt, die sich durch den Wert der Leistung deutscher 
Dampfer auf 200 Mill. P. G. erhöhen (= 1 Milliarde Fr.). 
Wenn man nun den Gesamtwert der Mobiliarwerte 
kennt und ihren Ertrag, der rund 94 Mill. P. G. beträgt, so 
braucht man nur den England zufallenden Betrag von 48 Mill. 
und den der übrigen Nationen von 30 Mill., zusammen 78 Mill. 
abzuziehen, so hat man das Ergebnis, daß von der .ganzen, 
in Argentinien hervorgebrachten Summe etwa 16 Mill. P. G. 
im Lande bleiben. Diese Feststellung war nötig, um zu be- 
weisen, wie es mit dem Begriff der nationalen Industrie 
beschaffen ist, der immer mit so starker Betonung als Be- 
gründung für die Schutzzölle ins Feld geführt wird. Auch 
der so laut verkündete wirtschaftliche Aufschwung Argentiniens 
erfährt dadurch eine eigenartige Beleuchtung. 
Aus den vorstehenden Ausführungen könnte nun folgerich- 
tigerweise der Schluß gezogen werden, daß es eine wichtige Auf- 
gabe der argentinischen Regierung sein müsse, den Zustrom 
fremden Kapitals nach Argentinien zu verhindern. Das ist 
aber nicht der Fall, sondern es muß im Gegenteil dafür ge- 
sorgt werden, daß wie die Einwanderung, so auch das aus- 
ländische Kapital ins. Land gezogen wird, weil diese beiden 
die Lebenselemente der nationalen Entwickelung und des 
Fortschrittes sind. Aber trotzdem hat die argentinische 
Regierung die ernste Pflicht, auf die Anlage nationalen 
Kapitals in industriellen und Handelsunternehmungen hinzu- 
arbeiten, um zu verhindern, daß die ganze Produktion ledig- 
lich eine Einnahmequelle für die Ausländer werde. Denn 
je mehr Geld aus dem Auslande kommt, desto größere 
Summen hat das Land für seine Verzinsung aufzubringen, 
und es muß deshalb von der Regierung und dem Einzelnen 
mit der größten Sparsamkeit gewirtschaftet werden, um mit 
der Zeit ein nationales Kapital zu gründen, das nicht nur 
gegen das fremde in Wettbewerb treten und seine gesteigerten 
Ansprüche eindämmen, sondern es auch ersetzen könnte, 
wenn aus irgendeinem Grunde, z.B. einer Krisis auf dem 
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