Metadata : Die deutsche Hausindustrie

54

III.  Kap.  :  Umfang  der  Hausinduftrie  in  Deutfchland

fabrikation.  Zugenommen  hat  die  Hausinduftrie  in  der  Häkelei,  Stickerei
und  Spitzenfabrikation  fowie  in  der  Bleicherei  und  Appretur,  jedoch  im  Vergleich ­
  zu  den  verzeichneten  Abnahmen  nur  unbedeutend.  *)
In  der  Papierinduftrie  (X)  find  als  Heimarbeiter  tätig  einige  taufend  Verfertiger ­
  von  Spielwaren  aus  Papiermache  und  von  Kartonagewaren,  in  der  Lederinduftrie
  (XI)  Riemer  und  Sattler  fowie  Verfertiger  von  Spielwaren  aus  Leder.
Zahlreicher  ift  die  Hausinduftrie  in  der  folgenden  Gruppe:  Holz-  und
Schnitzftoffe  (XI).  Hier  treffen  wir  hausinduftriell  tätig  Möbeltifehler  (die
übrigens  bedeutend  abgenommen  haben),  vor  allem  Korbmacher,  Strohhutflechter, ­
  Drechfler  und  Verfertiger  von  Spielwaren  aus  Holz.
In  der  Induftrie  der  Nahrungs-  und  Genujzmittel  (XIII)  stellt  das  einzige
hausinduftrielle  Kontingent  die  Tabakfabrikation,  die  allein  19  435  Perfonen
befchäftigt  und  feit  1895  um  3978  zugenommen  hat.
Am  ftärkften  ift  mit  Hausinduftrie  durch  fetzt  das  Bekleidungsgewerbe
(XIV).  Schneiderei  und  Kleiderkonfektion  befchäftigen  allein  78  189  Heimarbeiter, ­
  die  Näherei  29  261,  die  Schuhmacherei  18  617,  die  Handfchuhmacherei
14  033,  die  Fabrikation  künftlicher  Blumen  6757,  die  Wäfchekonfektion  7412.
Mit  Ausnahme  der  Näherei  und  Schuhmacherei  find  die  aufgezählten  hausinduftriellen
  Gewerbearten  fämtlich  bedeutend  gewachfen.  *  2 )
Das  hausinduftrielle  Bekleidungsgewerbe  zeichnet ­
  fich  alfo  aus  durch  gro(ze  Vermehrung,  das  Textilgewerbe ­
  durch  grofze  Verminderung,  wobei  jedoch
das  Minus  nicht  vom  Plus  aufgehoben  wird:  das  ift
die  hervorftechendfte  Entwicklungstendenz,  die  feit  der  erften  Zählung  von
1882  über  1895  hinaus  bis  zur  letzten  Zählung  von  1907  deutlich  fichtbar
ift.  Dajz  die  Hausweberei  immer  weniger  den  Wettlauf  mit  der  Webfabrik
aushält  und  darum  immer  mehr  zufammenfehrumpft,  ift  fchon  gefagt  worden.
Ähnlich  liegen  die  Dinge  in  allen  übrigen  abnehmenden  Hausinduftrien,  wie
Schuhmacherei,  Tifchlerei  ufw.:  überall,  wo  technifche  und  organifatorifche
Fortfehritte  den  konzentrierten  Betrieb  profitabler  erfcheinen  laffen,  wird  der
Übergang  hierzu  vollzogen.  —  Wo  aber  umgekehrt  die  lokal  zerftreut  liegende
Heimarbeit  Vorteile  bietet,  wird  ihr  vom  Unternehmer  der  Vorzug  gelaffen.
*)  Das  hausgewerbliche  Wachstum  in  der  Stickerei  wird  vornehmlich  durch
die  Tatfarhe  erklärt,  c'ajz  in  den  letzten  10  Jahren  die  Schiffliftickmafchine  infolge
der  elektrifchen  Überlandzentralan  immer  mehr  in  den  Einzelbetrieben  Eingang
fand.  Vgi.  oben  S.  39
2 )  Die  Abnahme  des  Hausgewerbes  in  der  Schuhmacherei  hat  ihren  realen
Grund  darin,  dafzdie  Entwicklung  der  Schuhmacherei  zum  fabrikmäßigen  Großbetrieb
infolge  immer  neuer  aus  England  und  Amerika  herübergekommener  Arbeitsmafchinen
noch  nicht  zum  Abfchluß  gekommen  ift.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.