weisen, die der Nur-Autostraße Mailand—Oberitalienische Seen günstig
sind: die militärische Bedeutung — ich brauche bloß den Namen
Mussolini zu nennen —, die bestehenden schlechten Kalkstraßen, der
Reiz der Neuheit, der Ausflugverkehr aus der landschaftlich reizlosen
Fbene nach den Seen und dem Gebirge, und wie Herr Ministerialrat
Vilbig mir kürzlich mitteilte, benutzen sehr viele Großfabrikanten, die
in Mailand wohnen und ihre Villen an den Seen haben, die Straße gegen
ein Abonnement. Jedenfalls muß man bei der Bewertung der Wirtschaft-
lichkeit der Nur-Autostraße Mailand—Oberitalienische Seen sehr vor-
sichtig sein.
Nach alledem bin ich zur Überzeugung gekommen, daß
grundsätzlich der Ausbau des bestehenden
Straßennetzes nach den geschilderten mo-
dernen Grundsätzen in den Vordergrund zu
stellen ist, zumal er trotz der Erbauung von
Nur-Autostraßen notwendig bleibt, daß aber
für Einzelfälle, wie bei den Ausfallstraßen der
Großstädte, bei Entlastungsstraßen, Ausflugsstraßen, auch auf
zrößere Länge im engbesiedelten Industriegebiet oder sonst in
Sonderfällen, die Errichtung von Nur-Auto-
straßen zweckmäßig sein kann.
Auf jeden Fall soll man aber beide Möglichkeiten eingehend studieren,
and auch die Planung von Nur-Autostraßen wegen der Stadterweite-
-ungspläne und der Landesbebauungspläne — ich sage nicht Landes-
planung, weil wir nicht noch neue Länder planen wollen — nicht unter-
lassen, wie wir das in Sachsen in enger Zusammenarbeit mit den Kreis-
hauptmannschaften auch getan haben und weiter tun wollen.
VL Fernstraße
3erlin—Leipzig—
München
Nach diesen kritischen Betrachtungen lassen Sie mich nun kurz auf
die Fernstraße Berlin—Leipzig—München eingehen. Ich bitte von vorn-
herein um Verzeihung. Wir haben natürlich in der kurzen Zeit kein Ver-
kehrsstraßenprojekt hier aufstellen können. Sie werden hier nur einmal
die Planung im großen sehen, und ich bitte vor allen Dingen, mich nach-
her nicht zu sehr schlecht zu machen, wenn ich nicht alle Städte, die auf
4er Landkarte verzeichnet sind, angeschlossen habe. (Heiterkeit.)
Aus der Verkehrskarte ergibt sich, wie schon eingangs gesagt, die
Anballung des Verkehrs um die Städte. Man wird also bei der Wahl der
Linie möglichst alle bedeutenden Orte berühren müssen. Der Anschluß
möglichst vieler Städte steht nun aber offenbar in Widerspruch mit der
Forderung einer möglichst kurzen Verbindungslinie zwischen Berlin und
München. Für diese beiden Gegensätze läßt sich jedoch nicht allzu schwer
der goldene Mittelweg finden, weil unter dem Berühren oder Anschließen
der Hauptorte gerade bei Fernstraßen — seien es nun Ausbau- oder Nur-
Autostraßen — nicht das Heranführen bis dicht an die Stadt zu verstehen