ist, sondern weil es genügen wird, den Anschluß durch eine kurze Zweig-
strecke zu schaffen. Ein Umweg oder eine Wegverlängerung von 10 oder
20 km — mehr wird das Abbiegen der Hauptstrecken oder die Länge der
Zweigstrecken nicht ausmachen — spielt dabei auf guter Straße für den
Kraftwagen keine ausschlaggebende Rolle.
In dieser Hinsicht ähnelt die Führung einer Fernstraße — ich sage
jetzt Fernstraße, weil ich in der folgenden Überlegung von beiden Arten
sprechen will — der Linienführung von Wasserstraßen, unterscheidet sich
aber wesentlich von der Trassierung der Eisenbahnen, die bis an alle
anzuschließenden Orte heranzuführen sind. Diese Notwendigkeit bedingt
oft eine beträchtliche Verlängerung des Schienenweges, die aber in Kauf
genommen werden muß, wenn die Bahn die Verkehrsbedürfnisse eines
Landesteiles erfüllen und gleichzeitig rentabel bleiben soll. Das Einfluß-
gebiet einer Fernstraße ist unvergleichbar größer als das einer Eisenbahn
und kann durch Zweigstrecken nach bedeutenden Orten noch weiter aus-
gedehnt werden. Ich habe die Verhältnisse, die sich beim Anschluß einer
seitwärts gelegenen Stadt C ergeben, in einer Skizze aufzeichnen lassen,
die ich nicht näher zu erläutern brauche. Es kann auf diese Weise ein
zroßer Teil des Verkehrs der seitwärts gelegenen Stadt C, der sonst kaum
die Fernstraße benützen würde, dieser zugeführt werden und die ver-
kehrsarmen Zwischenstrecken beleben. Diese Erwägungen sind z, B. die
Grundlagen für den Anschluß der Städte Magdeburg und Bamberg. Nach
diesen Betrachtungen kommt also der Lage der größeren Städte, die den
Straßen im wesentlichen den Autoverkehr geben, für die Festlegung der
Linie eine hervorragende Bedeutung zu.
In einer Karte 1: 1000000 wurde zunächst die Luftlinie der Ver-
bindung Berlin—München eingezeichnet; weiterhin wurden alle Städte,
die nach der Volkszählung vom Jahre 1925 über 10 000 Einwohner haben
und im weiteren Umkreis dieser Linie liegen, durch Kreise herausgehoben,
deren Flächeninhalte der Einwohnerzahl entsprechen. (250 Einwohner
entsprechen einem qmm.) Das Kartenbild zeigt, daß ungefähr in der
Mitte der Verbindungslinie Berlin—München ein Teil der Luftlinie bei
Eger außerhalb des Reichsgebiets verläuft. Allein dadurch ergibt sich
eine Verdrückung der Linie nach Westen. Diese Verdrückung wird
weiterhin dadurch bedingt, daß die Luftlinie in gleicher Gegend das
Fichtel- und Elstergebirge durchschneidet und schließlich dadurch, daß
eine Führung der Linie dicht entlang der tschecho-slovakischen Grenze
das Einflußgebiet und damit die Freauenz und Finanzierung der Fern-
straße nachteilig beeinflußt. Andererseits wird einer größeren Ver-
drückung dadurch Halt geboten, daß die Luftlinie dicht nörlich der
tschecho-slovakischen Grenze zwischen Zwickau und Chemnitz mitten
durch das sächsische Industriegebiet verläuft, dessen Anschluß schon an
und für sich eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist. Die Hauptsäule des
Industriegebietes, die Stadt Zwickau, würde demnach der erste Fest-
'C