Full text : Autofernstraße Berlin, Leipzig, München, Rom

Wenn wir aber schon, meine Herren, — gestatten Sie mir, das noch
zu sagen — von der Frage der Kraftwagen-Fernstraßen und der Kraitwagenbahnen
 hier gesprochen haben, so haben beide Städte, Leipzig,
die alte Messe- und Handelsstadt, und Halle, der Mittelpunkt des mitteldeutschen
 Industriebezirks, auf jeden Fall Veranlassung, in der Frage von
Autobahnstraßen Hand in Hand zu gehen. Denn für mich ist es klar, daß
der Aktionsradius des Kraitwagens zweifellos innerhalb der Strecke
liegen wird, die als Entfernung zwischen Halle und Leipzig gemessen
werden kann. Das sind 31 km. Hier sind zwei wichtige Wirtschaftsmittelpunkte.
 Diese werden sehr wohl selbst ohne Rücksicht auf die
Fernstraße Berlin—Rom den Gedanken einer Kraftwagenbahn erwägen
müssen, und ich darf den Herren vom Rat der Stadt Leipzig sagen,
daß wir uns nach der Richtung bereits in Halle beschäftigt haben. Ich
habe mir erlaubt, das mitzuteilen, weil in einem solchen Kreis, wo Wirtschaftspolitiker
 und auch die Automobilinteressenten vertreten sind,
diese Frage ein gewisses Interesse auslösen wird. Eine solche Autobahn
Halle—Leipzig wird dann auch die geeignete Zubringerstraße zur Fernstraße
 Berlin—München sein. (Bravorufe.)

Herr Hofrat Kell (Handelskammer Leipzig):

Meine Herren! Die Handelskammer Leipzig begrüßt es mit wärmstem
Dank, daß der Rat die Versammlung heute zusammenberufen hat. Sieben
Handelskammern haben sich beteiligt, um bei den heutigen Ideengängen
ihre Ansichten zum Ausdruck zu bringen. Und, meine Herren, wenn auf
der einen Seite die verantwortlichen Stellen des Reichsverkehrsministeriums
 und das Ministerium für Landwirtschaft und Domänen von
Preußen mit scharfer Zurückhaltung den Vortrag und die heutigen Gedanken
 hörten, so müssen wir es auf der anderen Seite dankbar begrüßen,
 wenn das sächsische Ministerium sich in wärmster Weise den
Ideen schon jetzt hingibt, und wir denken an die Worte zurück, welche
Herr Ministerialrat Dr.-Ing. Speck vor einiger Zeit ausgesprochen hat:
„Deutschland kann sich den Luxus schlechter Straßen nicht mehr leisten“
Meine Herren! Es ist eine reine Frage der Wirtschaft, wieweit die
Mittel aufgebracht werden können, um dieses brennendste Bedürfnis der
Öffentlichkeit zu befriedigen und ferner, auf welche Schultern diese
Lasten seitens des Staates und der Wirtschaft gelegt werden müssen.
Meine Herren! Es ist wohl klar, daß die großen Strecken durch den
Luftverkehr bewältigt werden müssen, aber andererseits wird es eine
Frage der wirtschaftlichen Verhältnisse sein, wie man rasch vorwärts
kommt, so daß der Geschäftsmann sich selbst weitgehend ausnutzen
kann und daß alle die Ideengänge, die Herr Geheimrat Otzen durch
jahrelanges Studium sorgfältig vorbereitet hat und die er uns heute mit
einem gewissen Optimismus vortrug, sich nach und nach verwirklichen.

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