halten, unser Projekt mit allem Nachdruck zu verfolgen. Ich gebe zu,
daß es mir richtiger scheint, diese Nord-Süd-Straße durch die Rheinebene
zu legen, als über Berlin—München; das ist aber Geschmackssache. Ein
solches Projekt überhaupt einmal zu studieren, über dieses Projekt
Sicheres aussagen zu können, das ist das Wichtigste an der Geschichte.
Ich bin von allen möglichen Seiten angegriffen worden, in Tagesund
Automobilzeitungen. Diplom-Ingenieure Soundso schreiben große
Artikel, die die Autostraßen grundsätzlich verurteilen. Sie wissen aber
nichts von der Sache; das ist der schlimme Gegensatz zwischen Journalistik
und Sachlichkeit! Ich freue mich, daß die große Mehrzahl der
Herren Vorredner sich nicht auf diesen Standpunkt gestellt hat, trotzdem
sie innerlich ablehnend eingestellt sind; daß sie nicht gesagt haben: man
soll die Sachen gar nicht mehr verfolgen. :Es werden sich überraschende
Resultate ergeben, wenn Sie ernsthaft die Sache verfolgen, wenn ich
auch nicht überzeugt bin, daß von heute auf morgen Autostraßen, 12 m
breit, wie ’ein Strich mit dem Lineal von Norden nach Süden Deutschlands
gezogen, gebaut werden. Erhebliche Teile werden aber entstehen,
davon bin ich heute überzeugt, und diese erheblichen Teile, die gebaut
werden, werden den Beweis erbringen, daß sie nötig und gut sind, und
sie werden auch der Automobilindustrie zeigen, daß ihre Befürchtungen
von Motorzüchtungen usw. gar nicht so schlimm sind, wie das augenblicklich
scheint. Denn durch alle Erörterungen weht hindurch die allerdings
ungeheuer bedauerliche Tatsache unserer wirtschaftlichen Depression.
Wenn die wirtschaftliche Depression nicht da wäre, würden
wir an ganz andere Wünsche denken. (Zuruf: Sehr richtig!) Aber man
kann einen großen Gedanken nicht deshalb totschlagen, weil es uns
augenblicklich schlecht geht.
Sie werden nach diesen Ausführungen in gewissem Sinne in mir
einen starken Idealisten, vielleicht Utopisten sehen. Ich kann mir das
gefallen lassen. Bei meinem Beruf als Professor bin ich ja in dieser Beziehung
immun. (Heiterkeit.) Ich kann es über mich ergehen lassen und
werde weiteres über mich ergehen lassen. Ich habe aber den Auftrag
seitens meines Vorstandes, Ihnen, Herr Oberbürgermeister, unsere
wärmste Beglückwünschung auszusprechen, daß heute überhaupt mal
wieder über so etwas gesprochen wird, was eine Idee, ein großer
Gedanke ist, der Deutschland verbindet von Nord nach Süd. Wenn
mal nicht jeder glaubt, alles muß an seinem Zipfel zu Ende sein, und
er muß nur dafür sorgen, daß sein Etat gerade noch balanciert. Wir
werden uns im Laufe der Jahre schon noch allerlei Schwanzfedern ausreißen
lassen müssen (Heiterkeit), aber trotzdem unsere Sache durchzuführen
wissen. Denn ein so weltverlorener Professor bin ich nicht:
ich habe mich genügend in der Welt umgesehen.
Dieser Begrüßung, die ich hier namens des Vereins „Mafraba‘“ der zu
gründenden Arbeitsgemeinschaft überbringe, möchte ich den Wunsch an-AP