Aufschwung des Königtums unter den Staufern. 157
lösung des Heeres und brachte den Rest des Zuges um seine
eigentlichen Ziele. Viele Wallbrüder wandten sich unmittelbar
zur Heimat zurück; der Kern des Heeres zog unter Herzog
Friedrich nach Syrien, wurde durch die antiochenische Pest des
Sommers 1190 decimiert und gelangte in kargen Überbleibseln
nach Akkon, wo er sich mit den soeben eintreffenden Scharen des
englischen und französischen Königs vereinigte. Vor Akkon ist
schließlich auch Herzog Friedrich gestorben, am 20. Januar 1191.
Das ist das Ende der klugen und gewaltigen Rüstungen
Friedrichs. Welche Ziele der Kaiser im letzten Grunde mit
ihnen verfolgt hat, ob neben religiösen Empfindungen ihn noch
andere Erwägungen zum Kreuzzug veranlaßt haben, niemand
weiß es. Sicher aber waren seine letzten Thaten würdig der
großen, universalen Politik, die er seit dem Jahre 1180
einzuschlagen begonnen. Es war eine Politik, die in
ihren Zielen schon deutlich weiter führte, als die Ottonen je
gelangt waren: aber erst in seinem Sohn fand sie ihren vollen,
ebenso genialen wie rücksichtslosen Vollstrecker.
VI.
Im Frühjahr 1189 war Kaiser Friedrich zum heiligen
Grabe aufgebrochen; schon im Herbst 1189 kehrte Heinrich der
Löwe, untreu seinem Versprechen längerer Abwesenheit, aus Eng—
land zurück. Und sofort versuchte er gegenüber König Heinrich,
dessen schmächtigem Körper man die furchtbare Spannkraft des
Willens nicht ansah, die ihn beseelte, seine alte Stellung im
Nordosten des Reiches wiederzugewinnen. Er schlug und ver⸗
trug sich mit den Fürsten, die seinen ehemaligen Territorien
benachbart waren; schon Ende Herbst 1189 waren die Haupt⸗
teile des sächsischen Herzogtums und der Kolonialgebiete bis
nach Lubeck hin wieder in seiner Hand.
Aber es waren ebenso leichte, wie vorübergehende Erfolge.
König Heinrich wandte sich gegen ihn, durch ein Reichsheer
unterstützt; an der Elbe gährte es seit Frühjahr 1190; im
Ausland ward keine Hilfe gefunden, da der englische König
Richard Löwenherz in gutem Einvernehmen mit Philipp von