Fläche bedeutend größer ist als in den meisten anderen preußischen Provinzen.
Die erheblichen Viehseuchen, unter denen Ostpreußen alljährlich zu leiden hat,
hängen, abgesehen von der langen Auslandsgrenze, die die Einschleppung von
Seuchen erleichtert, und von dem Tiefstand auf .veterinärem Gebiete in den Nach-
barländern, mit der unzureichenden Entwässerung der Wiesen und Weiden ursäch-
lich zusammen. Wie groß das Meliorationsbedürfnis in der Provinz Ostpreußen
ist, geht auch aus den großen Unwetter- und Frostechäden hervor, denen die
Provinz in den letzten Jahren, namentlich im Jahre 1928, ausgesetzt gewesen ist
und deren außergewöhnlicher Umfang nicht zuletzt auf den Mangel an Melio-
sationen zurückzuführen ist; sie erforderten bei der großen Armut der landwirt-
schaftlichen Bevölkerung in den letzten Jahren wiederholt Notstandsmaßnahmen,
durch die nicht nur Reich und Staat, sondern auch die Provinz nicht unerheblich
belastet, wurden. Die Summe von 760000 RM., die im Haushaltsplan des Pro-
vinzialverbandes für derartige Notstandsmaßnahmen im Jahre 1927/28 vorgesehen
war, bedeutete eine Überschreitung der Provinzialumlage um etwa 20 %. Bei diesen
Notstandsaktionen muß der Provinzialverband bestimmungsgemäß ein Drittel der
Notstandsbeihilfen tragen. Anträge, die Beteiligungsquote auf ein Sechstel herab-
zusetzen, sind mit der Begründung, keinen Präzedenzfall schaffen zu können,
abgelehnt worden. Solche Notstandemaßnahmen und die sich aus ihnen ergebenden
öffentlichen Belastungen können auf die Dauer nur durch ein umfassendes
Meliorationsprogramm vermindert werden. Auch die allgemeine wirtschaftliche
Notlage der ostpreußischen Landwirtschaft und die durch die örtliche Lage und
das Klima bedingte kurze Feldbearbeitungszeit zwingt zur Durchführung von
Meliorationen. Bei einer großen Zahl von Betrieben, namentlich der bäuerlichen
Landwirtschaft, ist die Bestellung des Ackers durch mangelnde Entwässerung, er-
schwert und verzögert. Das häufige Auswintern des Getreides ist zum erheblichen
Teil auf den Mangel an Dränagen zurückzuführen, Da durch den Mangel an Meliora-
:ionen die Feldarbeitszeit gerade in Ostpreußen erheblich. verlängert wird, zieht die
oagtpreußische Landwirtschaft durch Meliorationen auch in der schwierigsten Zeit
zroße Vorteile. Auf dem gedränten Acker kann eher gepflügt werden, die lange
arbeitslose Zeit im Winter für die Gespanne verkürzt sich, die Arbeitsverteilung
wird verbessert, die Auswinterungsschäden gehen zurück und die Maschinen- und
Gespannarbeit wird erleichtert. Zahlreichen Betrieben namentlich des kleinen
Grundbesitzes fehlt es an dem erforderlichen Grünland, um die vielfach noch ein-
seitig auf Stallviehhaltung aufgebaute Viehwirtschaft auf eine wirtschaftlich‘ ge-
sunde Grundlage zu stellen. Viele Betriebe verfügen nur über saure Wiesen.
Auch auf dem Grünland bringt die Entwässerung mit, anschließenden Folgeein-
richtungen der ostpreußischen Landwirtschaft außerordentliche Vorteile. Durch
die verbesserte Futtererzeugung wird das Vieh gesünder und die Qualität der
Butter und Molkereierzeugnisse verbessert. Ohne Meliorationen müssen alle Ver-
suche zur Qualitätserzeugung in Ostpreußen ohne Erfolg bleiben, weil von den
sauren Acker- und Grünlandflächen keine Qualitätserzeugnisse gewonnen werden
können. Auch vom volkswirtschaftlichen und nationalpolitischen Standpunkte ist
die beschleunigte Ausführung von Meliorationen in Ostpreußen dringend erforder-
lich. Es muß berücksichtigt werden, daß wir durch den Friedensvertrag weiter
Landstrecken mit ausgesprochenem Agrarcharakter beraubt wurden und auch der
Stand unserer Handels- und Zahlungsbilanz es dringend wünschenswert erscheinen
läßt, die landwirtschafiliche Einfuhr zu verringern. Ertragssteigerungen auf
heimatlichem Boden setzen aber Meliorationen voraus. Nur durch Meliorationen
und schnelle Durchführung der Jandwirtschaftlichen. Folgeeinrichtungen nach er-
folzter Wasserregelung sind die Grenzkreise Masurens so lebensfähig zu machen,