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Die große volkswirtschaftliche Bedeutung der Dränung liegt darin, daß sie
am schnellsten Mehrerträge schafft und Wirtschaftserschwernisse beseitigt. Die
Melioration der dränungsbedürftigen Ackerländereien ist ein Hauptweg, die ostpreußische
Landwirtschaft wieder der inneren Gesundung zuzuführen.
Da die Dränröhren, namentlich Röhren von größerem Kaliber, zum erheblichen
Teil aus Polen eingeführt werden müssen, sollte auch der Förderung der
Dränindustrie Beachtung geschenkt werden. Der Bedarf an Dränröhren ist bei
einiger Verstärkung der Meliorationstätigkeit so groß, daß eine Vermehrung der
heimischen Dränröhren-Erzeugung dringend gefordert werden. muß.
Neben der Ausführung von Dränagen auf Ackerländereien und der Entwässe-‚ung
des Grünlandes kommt den Folgeeinrichtungen auf Grünlandflächen (Umbruch,
Düngung, Neuansaat von Grünland usw.) die größte Bedeutung zu; ihre Ausführung
hat durch den Mangel an Geldmitteln und Spezialmaschinen mit der Entwässerung
nicht überall Schritt gehalten. Durch Folgeeinrichtungen nach Ausführung der
genossenschaftlichen Entwässerung sind von dem gesamten meliorationsbedürftigen
Grünland von 535 000 ha noch rund 250 000 ha zu verbessern. Besonders auf
jen Niederungsmooren sollte der Ausführung der landwirtschaftlichen Folgeeinrichtungen
die größte Beachtung geschenkt werden, weil die Niederungsmoorflächen
Ostpreußens zum erheblichen Teil einer Verbesserung der Grasnarbe bedürfen.
Dies gilt besonders für solche Betriebe, die mangels ausreichenden ertragreichen
Grünlandes einseitig auf Ackerwirtschaft und Stallviehhaltung eingestellt
sind und sich durch die Kultivierung von Niederungsmoorflächen das für eine
gesunde Viehhaltung erforderliche Grünland beschaffen können,
Bei Durchführung von Meliorationen in Ostpreußen hat sich nicht selten gezeigt,
daß durch Meliorationen verbesserte Weiden von der Landwirtschaft nicht
genügend ausgenutzt werden konnten, weil es hierzu an dem erforderlichen leistungsfähigen
Viehbestand fehlt. Die Förderung der Viehwirtschaft muß daher mit der
Förderung der Meliorationen Hand in Hand gehen.
Bei der trostlosen Lage weiter Gebiete und der Notwendigkeit dauernder
staatlicher Notstandsmaßnahmen ist verschiedentlich empfohlen worden, von Meliorationen
in Ostpreußen ganz abzusehen und landwirtschaftlich besonders benachteiligte
Gebiete wie in Masuren nach und nach aufzuforsten und die Besitzer in bessere
Gegenden umzusiedeln. Erhebungen, wie sie im Kreise Ortelsburg gemacht wurden,
haben jedoch gezeigt, daß die wirtschaftliche Hebung durch Meliorationen, Wegebauten,
Instandsetzung verfallener Wohn- und Wirtschaftsgebäude und Auf-Jorstung
von für die landwirtschaftliche Nutzung nicht geeigneten Ödländereien
gegenüber den durch Umsiedlung entstehenden Kosten im allgemeinen mit verhältnismäßig
wenig Mitteln möglich ist. Eine Umsiedlung sollte nur da in Betracht
gezogen werden, in denen die Wirtschaften nicht lebensfähig sind, auch nicht durch
Meliorationen oder andere wirtschaftliche Maßnahmen lebensfähig gemacht werden
können und sonstige Verdienstmöglichkeiten fehlen.
Da ein großer Teil der Grünlandflächen Ostpreußens eine verfilzte Grasnarbe
aufweist, können die Flächen vielfach nicht mit Zugtieren, sondern nur mit Kraftgeräten
umgebrochen oder gefräst werden. Da, die bäuerlichen Besitzer mit den
landwirtschaftlichen Folgeeinrichtungen vielfach am meisten im Rückstande sind
and die hierzu erforderlichen Kraftgeräte nicht beschaffen können, weil sie von
ihnen nicht genügend ausgenutzt werden könnten, andererseits in Ostpreußen nicht
genügend private Lohnpflugunternehmen vorhanden sind, dürfte es sich empfehlen,
soweit erforderlich, die Bestrebungen der Landkreise, kleine Kraftgeräteparks zu
beschaffen. zu unterstützen.