fullscreen: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 2)

Union und Liga, dreißigjähriger Krieg, westfälischer Friede. 703 
ständischen protestantischen Bewegung gewesen, deren Verlauf 
das letzte Unglück Kaiser Rudolfs gebildet hatte. War zu er— 
warten, daß ein so fanatischer Wille, wie derjenige Ferdinands, 
nicht gerade gegen ihn und den mit ihm verbundenen Protestan— 
tismus vorgehen würde? Und war anzunehmen, daß die 
böhmischen autonomen Kräfte sich fügen würden? 
Zur Zeit Kaiser Mathias' mußte man in Böhmen schon 
von der fast ausschließlich katholischen Besetzung höherer Amter 
und von der Übergabe der Pfarreien der königlichen Kammergüter 
an katholische Priester hören, und man sah, wie die Jesuiten in 
ihrer Propaganda allenthalben vom Hofe unterstützt wurden. So 
ging ein dumpfes Murren durchs Land. Aber bald mehrten sich, 
unter dem zunehmenden Einfluß Ferdinands auf die böhmischen 
Verhältnisse, die Aufstände; die Beschwerden traten gewaltsamer 
auf, und schon sprach man vom Schwinden des monarchischen 
Sinnes. 
Inwiefern diese Wendung im einzelnen berechtigt war, 
das zeigt typisch die als angeblich hervorragender Anlaß des 
dreißigjiährigen Krieges berühmt gewordene Kirchenbauangelegen— 
heit von Braunau. 
Die kleine Stadt Braunau in Böhmen gehörte dem gleich— 
namigen Stifte zu, war also geistlicher Boden. Demgemäß 
besaßen die Protestanten in ihr nach der weiteren Auslegung 
des Majestätsbriefes das Recht des Gottesdienstes und des 
Kirchenbaues; und daraufhin hatte die protestantisch gesinnte 
Mehrheit der Bürger des Orts seit 1611 eine Kirche erbaut 
und trotz des Widerspruches des Abtes im Jahre 1612 
vollendet. Kaiser Mathias, um Schließung der Kirche ange— 
rufen, hatte einen endgiltigen Entscheid immer wieder verzögert. 
Jetzt aber, am 12. Dezember 1617, nach der Krönung Ferdi— 
nands zum böhmischen König, erfolgte der Befehl, die Kirche 
sofort dem Abte zu übergeben. Es war ein Entscheid, der, in 
verwandten Fällen schon erlebt, einmal recht deutlich zeigen 
konnte, was von der Krone zu erwarten war. Und so waren 
die Braunauer willens, die Sache weiter zu verfolgen. Sie 
sandten eine Deputation an Ferdinands Statthalter in Prag;
	        
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