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Erwin Respondek,
„Es ist wahr, daß die Kreditinstitute dem Beispiel der Regierung,
der Minister und der Abgeordneten gefolgt sind, die in der Vergangenheit
sehr oft eine persönliche Politik vertreten haben, die dem nationalen
Interesse sehr scharf entgegen war. Wenn unsere Kreditinstitute es vorzogen,
ausländische Wertpapiere an Stelle französischer Werte zu emittieren,
so geschah es, weil die ersteren ihnen eine viel größere Gewinnmarge
und höhere Provisionen ließen als die zweiten, und daher haben
sie das allgemeine Interesse ihrem privaten Interesse geopfert“ 1 ).
So einfach liegt jedoch die Schuldfrage nicht, obwohl dem Urteil
des Franzosen Berechtigung zuerkannt werden muß. Es darf nicht
außer acht gelassen werden, daß der überreiche Zustrom frei verfügbarer
Kapitalien den Depositenzins auf ein Minimum drückte, den
die Einleger und Sparer nicht akzeptieren wollten und konnten. Dies
rief auf der anderen Seite die notwendige Verwertung in irgendeiner
arbeitenden Wirtschaft hervor, die gewillt war, höheren Zins zu vergüten.
Fanden die Gelder im Innern keine Arbeit, so mußten sie notwendig
ins Ausland fließen. Eine auch nur annähernd einwandfreie Untersuchung,
inwieweit hierbei der Wunsch der Rentner nach besserem Zinsertrag,
die Furcht vor der Verfolgung von seiten des Fiskus mit Steuern, sobald
er gute französische Werte kauft, oder seine Spekulationssucht stimulierend
auf die Emission jener hoch verzinslichen ausländischen Wertpapiere
durch die Banken einwirkten, oder die Banken aus eigenen, gewinnsüchtigen
Wünschen zum Ankauf der Effekten anregten, ist äußerst
schwierig zu führen. Sie dürfte im Endresultat wohl eine wechselseitige
Beeinflussung ergeben. Dann ist ein nicht zu kleiner Posten in das Schuldkonto
der französischen Regierung einzutragen. Sie bewegte sich, wie
schon erwähnt, durch gewissenlose Politiker des In- und Auslandes
geführt, in einem kriegslüsternen Kurs und benutzte die Kapitalkraft
des Landes für ihre politischen Zwecke. Die Emissionen der ausländischen
Werte wurden von ihr dazu noch vom steuerfiskalischen Gesichtspunkte
aus begünstigt, um durch die Effekten-Emissionssteuer
die Staatskassen aufzufüllen. Es ist also nicht zu verkennen, daß auch
von hier aus Fehler gemacht wurden, die unter Einschluß der Rentner-Wünsche
und Bankpolitik eher das Urteil eines allseitigen Verschuldens,
als einer alleinigen Schuld der Finanzkreise rechtfertigen lassen.
Bereits vor Ausbruch des Krieges war das Vertrauen der Bankgläubiger
zu den großen Kreditinstituten stark erschüttert. Dies war
nur zu natürlich. Eine so leicht geführte Bankpolitik, wie sie bereits
geschildert wurde, mußte einmal zum Schaden ausschlagen. Die
„Frankfurter Zeitung“ faßt die Lage der Banken, wie sie in den letzten
Friedensmonaten vorherrschte, sehr gut zusammen. Sie sagt wörtlich:
„Enorme Verluste an mexikanischen, brasilianischen, argentinischen
und anderen Papieren haben die Kaufkraft des Publikums geschwächt
und sein Vertrauen geschmälert, während gleichzeitig die Furcht vor
h a. a. O. S. 202.