Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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tiefer  gelegenen  Muskulatur  als  Jnsertionsstelle  der  Muskelfasern,  und
wenn  wir  endlich  in  den  höchsten  Stamm  der  Tierreihe  eintreten,  hat
dieses  Bindegewebe  neben  einer  hohen  histologischen  Ausbildung  auch
eine  bedeutende  Mächtigkeit  erlangt.  Es  besteht  hier  aus  vielen  Lagen
straff  faserigen  Bindegewebes,  grenzt  aber  nicht  direkt  an  die  tiefer
liegende  Muskulatur,  sondern  wird  von  dieser  durch  ein  lockeres  lymphgesäßreiches
  Gewebe,  das  sog.  subkutane  Bindegewebe,  getrennt.
Es  darf  hier  nicht  unerwähnt  bleiben,  daß  dieses  Bindegewebe  der
Haut,  welches  den  bezeichnenden  Namen  „Lederhaut"  auch  Cutis  oder
Corium  führt,  durch  den  Übergang  in  noch  höhere  Gewebssormen,  in
Knorpel  und  Knochen,  auch  Sitz  von  Verknöcherungen  werden  kann,
von  welchen  für  uns  die  Placoidschuppen  der  Selachier  die  wichtigsten
Formen  der  Hautossifikationen  darstellen.
Ihrer  chemischen  Natur  nach  gehören  alle  Bindegewebssubstanzen
zu  den  Eiweißkörpern,  und  die  Hauptmasse  des  Bindegewebes  der
Wirbeltiere,  welche  zugleich  technisch  am  wichtigsten  und  ihrer  chemischen
Natur  nach  am  bekanntesten  sind,  besteht  aus  Glutin.  Zwischen  diesen
Fibrillen  liegt  dann  aber  noch  eine  weitere  Substanz,  das  Coriin,  wie
Rollet  H  und  nach  ihm  Reimer  l  2 )  mit  Sicherheit  nachgewiesen  haben.
Und  auch  die  Knorpel  und  Knochen  stehen  nicht  nur  entwicklungsgeschichtlich ­
  diesen  Bindesubstanzen  nahe,  insofern  sie  lediglich  höhere
Sinsen  der  Gewebsbildung  darstellen,  sondern  auch  die  Hauptmenge
ihrer  organischen  Grundsubstanzen,  das  Chondrin  des  Knorpels,  bzw.
das  Ossein  des  Knochens  müssen  wir  als  chemisch  nahe  verwandt  mit
dem  Glutin  betrachten,  da  sie,  wie  das  Glutin,  beim  Kochen  Leim  liefern.
Von  den  verschiedenen  gemeinsamen  und  unterscheidenden  Reaktionen ­
  dieser  Leimsubstanzen  interessiert  uns  hier
1.  das  verschiedene  Verhalten  der  Bindesubstanzen  und  des  Coriins
gegen  Kalkwasser  s ).  Die  Bindesubstanz  ist  in  Kalkwasser  unlöslich,
während  sich  das  Cyriin  hier  sehr  leicht  löst,  eine  Reaktion,  welche  sür
alle  Prozesse  des  Äscherns,  Kalkens  usw.,  in  welchen  Kalk  angewandt
wird,  beachtenswert  ist,  weil  durch  zu  langes  Liegen  im  Kalk  das  Lederrendement
  bei  den  nach  dem  Gewicht  zu  verkaufenden  Häuten  stark  sinkt;
2.  das  Verhalten  der  Bindesubstanzfibrillen  gegen  verdünnte
Säuren;  selbst  stark  verdünnte  Säuren  wirken  bereits  stark  guellend
aus  die  Hautsaser,  eine  Eigenschaft,  deren  man  sich  bei  den  Operationen
des  Beizens  und  Schwellens  bedient,  um  die  Haut  sür  die  Aufnahme
des  Gerbstoffes  empfänglicher  zu  machen/)  und  welche  zuerst  von  dem

l )  Wiener  Akademieberichte  30,  37,  39,  308;  Dinglers  polytechnisches
Journal  149,  298.  2 )  Dinglers  polytechnisches  Journal  205,  143.
s )  Heinzerling  1882,  S.  14.  *)  Derselbe  1882,  S.  15.
            
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