DIE NATÜRLICHEN GRUNDLAGEN DER WIRTSCHAFT 11
Allerdings hat diese Einteilung des Stoffes auch gewisse Nachteile.
Einmal sind die Grenzen der Klimazonen nicht einfache, sondern
infolge der zahlreichen dabei wirksamen Einflüsse recht verwickelte
Linien. Daher sind auch die Meinungen über die zweckmäßigste Ab-
zrenzung dieser Zonen für viele Gebiete noch geteilt, und keine der
vorgeschlagenen Einteilungen ist restlos befriedigend. Dazu kommt,
daß nicht wenige Pflanzen und Tiere die Grenzen ihrer ehemaligen
Verbreitungsgebiete im Laufe der Zeit überschritten haben und —
vielfach unter dem durch Züchtung und Gewöhnung wirksamen KEin-
1uß des Menschen — in anderen, ihnen früher verschlossenen Klima-
gebieten heimisch geworden sind. Kartoffel und Tabak sind von Haus
aus tropische Höhenklimapflanzen der westlichen Halbkugel. Aber der
Tabak ist heute ein über die gesamten Tropen, Subtropen und die
Gemäßigten Zonen verbreitetetes Handelsgewächs, während die Kartoffel
dem Menschen nicht nur über die ganze Nördlich Gemäßigte, sondern
zuch in die Subpolare Zone folgte. Solcher Beispiele ließen sich noch
viele aus Pflanzen- und Tierwelt anführen.
Aus den genannten Gründen haben wir unserer Behandlung der
pflanzlichen und tierischen Weltgüter eine andere Einteilung in Form
gewisser wirtschaftlicher Lebensgemeinschaften zugrunde ge-
legt. Aber auch für deren Zusammenfassung ist der klimatische Ge-
sichtspunkt maßgebend gewesen, sofern die „Getreidekammern“, die
„Waldländer“, die „Viehweiden“, die „Fruchthaine und Rebengelände“,
die „Plantagenerzeugnisse“ doch sofort die Vorstellung bestimmter
mehr oder weniger ausgeprägter Klimaprovinzen hervorrufen.
Geographische Abhängigkeit des Bergbaus. Die Erzeugung oder
Gewinnung mineralischer Nutzstoffe wird im wesentlichen durch die
geologische Beschaffenheit des Untergrundes bestimmt. Denn
das Vorkommen mineralischer Wertstoffe ist vielfach an bestimmte geo-
(ogische Formationen oder tektonische Zonen geknüpft. So finden sich
die Steinkohlen zum weitaus größten: Teil im Karbon, die meisten
und bedeutendsten Eisenerzlager Mitteleuropas in Schichten, die dem
Mittelalter der Erdgeschichte angehören (Jura, Kreide), die Braun-
kohlenlager im Tertiär der geologischen Neuzeit, Diamanten in den
Röhren vulkanischer Schlote. Gewisse Arten des Petroleums sind in
ihrem Vorkommen an die großen Faltungsgürtel der Erde, andere an
die horizontalen, wenig oder nicht gestörten Schichten weiträumiger
Tafelländer und Senkungsbecken geknüpft. In manchen Fällen findet
auch eine Umlagerung der die Nutzmineralien enthaltenden Mutter-
gesteine durch die Wirkung geographischer Kräfte, z. B. des Wassers
und des Windes, statt. Die goldführenden Seifen.der Gebirgsbäche
und Flüsse, die Diamantenfelder der Namib in Südwestafrika sind auf
diese Weise als sogenannte sekundäre Lager wirtschaftlich wertvoller
Gesteine entstanden.
Das Klima spielt in der Wirtschaft der mineralischen Nutzstoffe
in mancher Beziehung eine Rolle. Die aus Pflanzenstoffen hervor-
gegangenen Mineralien — Torf, Braunkohle, Kohle, Bernstein — sind
in ihrer Entstehung an die klimatischen Verhältnisse früherer Erd-
verioden gebunden, ebenso die Bildung vieler Salzlager. Die dicht