Full text : Weltwirtschaftliche und politische Erdkunde

IV. DIE WÄLDER DER ERDE UND IHRE JHAUPTERZEUGNISSE
IV. DIE WÄLDER DER ERDE UND IHRE
HAUPTERZEUGNISSE
VERBREITUNG UND ARTEN DES WALDES
Die klimatischen Bedingungen der Waldverbreitung. Die geographische
 Verbreitung der Waldgebiete ist geknüpft an ein gewisses
Maß von Wärme und von Niederschlägen. Jedoch ist es für die Lebensfähigkeit
 des Waldes nicht nötig, daß diese Bedingungen ununterbrochen
 das ganze Jahr über herrschen. Es genügt, wenn sie während
eines größeren oder kleineren Teiles des Jahres erfüllt sind. Der Baum
legt dann sein Wachstum, seine Blüten- und Fruchtbildung, d. h. seine
Vegetationsperiode, in diese Zeit des Jahres und ruht während der
anderen Monate. In den dauernd warmen und regenreichen Tropen
ist die Vegetationsperiode gewissermaßen unendlich; in den polaren
Waldgebieten dagegen beträgt sie nur 2 bis 3 Monate. Zwischen diesen
beiden Grenzfällen gibt es naturgemäß alle Abstufungen. In unseren
Breiten dauert die Vegetationszeit je nach der Baumart 4 bis 7 Monate.
Aus dem Gesagten erhellt, daß da, wo die Mindestbedingungen an
Wärme und Niederschlägen für das Gedeihen der Bäume nicht erfüllt
sind, auch keine Wälder aufkommen können. So gibt es auf beiden
Halbkugeln eine polare Waldgrenze, vergleichbar den polaren Ge:
treidegrenzen, und gleicherweise eine Höhengrenze in den Gebirgen.
Ebenso sind die extrem trockenen Steppen und Wüstengebiete der
Subtropen vom Waldwuchs ausgeschlossen, so daß man auch von einer
Trockengrenze des Waldes sprechen kann:
Die polaren Waldgrenzen. Da die Holzgewächse in der Regel widerstandsfähiger
 gegen die Kälte sind und einige Arten mit einer kürzeren Vegetationsdauer
 auskommen als die Getreidegräser, so liegt die nördliche Baumgrenze
im allgemeinen noch etwas weiter polwärts als die Getreidegrenze (s. Abb. 54). Sie
folgt annähernd der 10°-Isotherme des wärmsten Monats, schwankt aber noch
mehr als diese auf und ab. Auch für die Baumgrenze gilt wie für die Getreidegrenze
 die Regel, daß sie an der Westseite der Kontinente bedeutend weiter
polwärts reicht als an deren Ostseite. Im Westen Nordamerikas geht der Baumwuchs
 bis zum 68,°, an der warmen norwegischen Küste bis zum 72.°. An der
Labradorküste dagegen hört er bereits bei 57° und an der pazifischen Küste
Asiens am nördlichen Polarkreis auf. In beiden Fällen drängen die durch die
Labrador- und die Beringstraße aus dem Becken des Polarmeeres austretenden
Treibeismassen die Waldgrenze weit südwärts zurück. — Eine weitere Übereinstimmung
 zwischen beiden Vegetationsgrenzen ergibt sich aus der Begünstigung
des Baumwuchses im Innern der Kontinente. Das Festlandsklima Innerasiens
mit seinen warmen Sommern läßt die Baumgrenze im Bereiche der Taymirhalbinsel
 ihren überhaupt nördlichsten Punkt bei 73° erreichen. Dagegen ist
rein ozeanisches Klima — wahrscheinlich wegen der ständig herrschenden Winde,
die den jungen Baumpflanzen das Aufkommen erschweren — auch der Waldentwicklung.
 im allgemeinen wenig günstig. — Schwankungen der Baumgrenze im
einzelnen. werden häufig durch örtliche Verhältnisse verursacht. Besonders bemerkenswert
 in dieser Beziehung ist ihr Ansteigen nach N im Bereiche der
breiten, nordwärts gehenden Flußtäler Kanadas und Sibiriens, des Yukon,
Mackenzie, Ob, Jenissei, der Chatanga und Lena. Die Ursachen dafür scheinen
nicht in den Temperaturverhältnissen zu liegen, sondern in dem besseren Abzug
 des Grundwassers im Bereich der Ströme, wodurch die Bildung von Bodeneis
 verhindert wird. — Die südliche Baumgrenze liegt bereits außerhalb

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