Full text: Weltwirtschaftliche und politische Erdkunde

:V. DIE WÄLDER DER ERDE UND IHRE HAUPTERZEUGNISSE 89 
jedoch in verschiedener Zahl und Güte. Daneben hat aber jedes 
dieser Länder gewisse Besonderheiten. 
So ist Nordamerika der Hauptlieferant für Biber, Nerz, Zibetkatze, Pelz- 
robbe und der einzige Lieferant für Bisam, Skunks und Waschbär (im Handel 
„Schupp‘“). — Sibirien liefert in größter Zahl Eichhörnchenfelle, Hermelin 
und Iltis, ferner die feinsten Zobel-, Silberfuchs- und Seeotterpelze. Ostasien 
‘Mongolei, Mandschurei und China) bringt vor allem Murmel, Zentralasien 
Lämmerfälle auf den Markt. — Die Wälder Europas liefern in größter Menge 
Rotfüchse und verschiedene Marderarten. Australien ist die Heimat des 
Opossum, Südamerika die der Nutria und der Chinchillamaus. 
Pelzhandel. Im Pelzhandel Nordamerikas spielt neben zahlreichen 
anderen Gesellschaften und Firmen noch immer die größte Rolle die 
bereits 1670 gegründete englische „Hudson’s Bay Company“, die an 
der Küste der Hudson-Bai und im Inneren zahlreiche Faktoreien unter- 
hält (s. Abb. 60), Von diesen. Stationen aus unternahmen früher die 
Pelzsammler lange und abenteuerliche Wasserreisen in Birkenrinden- 
kanoes. Heute sind Dampfer und Leichterfahrzeuge an deren Stelle 
getreten, und die Eisenbahn wird soviel wie möglich benutzt. Haupt- 
ausfuhrort für die kanadischen Felle ist heute Montreal, von. wo 
diese zu den großen Londoner Frühjahrsauktionen gehen. Im 
Innern sind Winnipeg und Edmonton am Nord-Saskatschewan die 
wichtigsten Sammelplätze. Hauptsitze des Pelzhandels der Union sind 
New York, Chicago und St. Louis. Die Alaskaausbeute kommt 
hauptsächlich nach San Francisco, Seattle und dem südlich davon 
gelegenen Takoma. Die Ausfuhr amerikanischer Felle geht nach 
London und Leipzig. — In Asien sind die Eingeborenen Ostsibiriens, 
die Tungusen, Tschuktschen, Kamtschadalen u. a. eifrige Pelztierjäger. 
In vielen Jagdbezirken finden, wenn die Jagdzeit zu Ende geht, kleine 
Jahrmärkte statt, zu denen die Jäger ihre Ausbeute bringen. Vor 
dem Kriege bereisten von Ochotsk, Irkutsk, Jakutsk und anderen 
Orten aus europäische Fellaufkäufer in langen winterlichen Schlitten- 
reisen das ganze Gebiet bis an die Küsten des Eismeeres und Großen 
Ozeans, um die erlegten”Felle den Eingeborenen gegen Waren „erster 
Notwendigkeit“: Pulver, Mehl, Tee, Zucker, Tabak, eiserne Werkzeuge 
und Branntwein, unmittelbar abzuhandeln. Indem die Ware nun 
von Hand zu Hand ging, vom kleinen Einkäufer zum größeren Händ- 
ler, gelangte sie schließlich auf die Hauptmärkte von Jakutsk, 
Ischim, Irbit (Weihnachtsmesse) und auf die große Augustmesse 
von Nishnij Nowgorod, von da auf den russischen Binnenmarkt 
Moskau) und ins Ausland. Nach Nishnij Nowgorod strömte über 
Kasan auch die Masse der wertvollen „Persianer“, der Lammfelle aus 
dem transkaspischen Gebiet. Kleinere Mengen von Waren wurden 
aus dem äußersten Osten auch über Wladiwostok ausgeführt. Nach 
dem Kriege wurde der russische Pelzhandel zunächst Staatsmonopol. 
Die Regierung unterhielt an zahlreichen Stellen des Reiches Sammel- 
plätze und brachte den Ertrag vor allem auf den Auktionen zu Leipzig, 
daneben in London und Paris zur Versteigerung. Neuerdings scheint 
man dem Privathandel wieder größere Freiheit eingeräumt zu haben, in- 
dem im fernen Osten jetzt die Amerikaner eine besondere Rolle spielen,
	        
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