Object: Neuere Zeit (Abt. 2)

Waffengänge Osterreichs u. Preußens; Preußen europ. Großmacht. 821 
reich wenig günstig betrachtet worden war: was sollte dazu 
gar die deutsche Fürstenwelt sagen? 
Während Frankreich in Wien darauf hinweisen ließ, daß 
es die Durchführung eines solchen Planes von einer Ver— 
ständigung mit dem Könige von Preußen abhängig denke, von 
der es genau wußte, daß sie nie zu erreichen war, nahm 
Friedrich nunmehr die Verhandlungen zum Abschluß eines 
Fürstenbundes aufs schleunigste auf — trotz des noch immer 
fortwährenden Widerstandes seiner Minister. Inzwischen ver⸗ 
zichtete dann allerdings der Kaiser, gewohnt, chimärische Pläne 
oft schon beim geringsten Widerstande aufzugeben, auf sein 
Projekt, wie König Friedrich von Paris aus gegen Ende 
Janunar 1785 hörte. Aber das hielt den König nun nicht mehr 
ab, fortzuverhandeln: denn er wußte, daß Joseph mit diesen oder 
verwandten Plänen wiederkommen werde. Und so wurde am 
27. Juli 1785 ein Bund deutscher Fürsten im Sinne der 
alten Kurvereine geschlossen; Kurbrandenburg, Kursachsen und 
Kurhannover nahmen an ihm zunächst teil; und sein Zweck 
war, allen Reichsständen, auch den geistlichen, den Besitz ihrer 
Lande und ihrer Gerechtsame zu sichern. Durch den Beitritt 
des Kurfürsten von Mainz gewann der Bund dann bald die 
Hälfte der Stimmen im Kurfürstenrat. Außerdem aber traten 
ihm noch bei: Pfalz-Zweibrücken, Hessen-Kassel, Gotha, Weimar, 
die beiden Mecklenburg, Ansbach, Baden, die Fürsten der 
drei anhaltischen Linien und der evangelische Bischof von 
Osnabrück. 
Mit der Begründung des Bundes hatte sich zunächst ein 
innerdeutsches Ereignis vollzogen. Seit dem Rheinbunde 
des Jahres 1658 war eine Vereinigung, die ihre Spitze 
—D 
Und keiner der früheren gegenkaiserlichen Bünde seit dem 
16. Jahrhundert hatte sich ohne intime Beziehungen, wenn 
nicht gar Schutzverhältnisse zu auswärtigen Mächten gebildet. 
Dieser Bund dagegen war rein deutsch, und eifersüchtig wurde 
er von Friedrich dem Großen in dieser Form erhalten, wenn 
sich der König auch sagen durfte, daß sein Dasein den West—
	        
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