Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

148 U.. Über Theorien der wirtschaftlichen Entwicklung der Völker, 
gerufen hatte. Aber die Strömungen des Handels und mit ihm 
des Handwerks ändern vielfach ihren Lauf." 
In diesen Sätzen, deren treffliche Fassung unsere Zeit mit 
ihrer vielgerühmten Pflege der kulturgesschichtlichen Studien 
wohl zur Bescheidenheit stimmen kann, scheidet Perthes Mittel- 
alter und Neuzeit hauptsächlich nach der Gewalt — der Stadt, 
bzw. der Landesherrschaft ~, welche die öffentlichen Angelegen- 
heiten, namentlich auch die wirtschaftlichen Verhältnisse regelt. 
Dieser Gesichtspunkt wiegt in der älteren Literatur überhaupt 
vor. Wir verbinden jedoch heute mit dem Begriff Stadtwirt- 
schaft noch eine andere Vorstellung. 
Über die Frage, welcher Forscher zuerst die uns geläufige 
Ansicht von der mittelalterlichen Stadtwirtschaft vorgetragen 
hat, ist zunächst beim Erscheinen der sogleich zu nennenden 
Bücher'schen Schrift „Die Entstehung der Volkswirtschaft“ und 
seitdem noch wiederholt gestritten worden’). Schmoller machte 
Bücher gegenüber Prioritätsansprüche geltend. Dieser lehnte 
die Priorität ab und vindizierte sie der in den Jahrbüchern für 
Nationalökonomie Bd. 9 (1867) veröffentlichten Abhandlung 
Schönberg's „Zur wirtschaftlichen Bedeutung des deutschen 
Zunftwesens im Mittelalter“. Jn der Tat haben die darin ent- 
haltenen Ausführungen sehr viel zur Verbreitung der heute 
herrschenden Anschauungen von dem Wesen der mittelalterlichen 
Gewerbeverfassung beigetragen. Allein die Priorität kommt 
andern zu. Vor Schönberg ist einmal Bruno Hildebrand mit 
seinen lange Zeit nicht nach Verdienst gewürdigten Aufssäten 
„HZur Geschichte der deutschen Wollenindustrie“ in seinen Jahr- 
büchern Bd. 6 und 7 (1866) zu nennen. In ihnen hat einer 
der Begründer der historischen Schule der Nationalökonomie 
auch die Anschauung von der mittelalterlichen Stadtwirtschaft, 
die in der von jener ausgehenden Literatur eine so große Rolle 
spielt. anschaulich vorgetragen. 
1) Vgl. Schmoller's Rezension über Büchers Schrift im Jahrbuch 
für Geseßgebung 1893, S. 1258 und die Auseinandersetzung zwischen 
beiden ebenda 1894, S. 318 ff. H. Z. 91, S. 453 A. 1.
	        
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