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erscheinen zonae albae (Gürtel aus weißem Leder) *), und aus der
Stelle „äs soleis babjionicis et purpureis et foenicis et alvis.
(albis)“ 2 ) geht hervor, daß man auch Fußbekleidungen daraus ver
fertigte. Diese babylonischen Leder erhalten die beachtenswerte Bezeich
nung albus, griechisch lsv/.6g, also blendend weiß, eine Eigenschaft,
durch welche sie sich wahrscheinlich von den dunkleren, weil aus un
reinen Präparaten hergestellten Alaunledern der Griechen und Römer
unterschieden haben. Nur das macht es erklärlich, daß man Weiße Leder
aus so großen Fernen sich verschrieb und mit den höchsten Preisen
bezahlte.
Neben den weißen Ledern sind auch rote hoch geschätzt so hoch,
daß die abendländische Kaiserwürde unter ihren Abzeichen rote Schuhe
besaßt). Es ist nach dem vorher Gesagten die hohe Wertschätzung,
welche diesem roten Leder zuteil ward, verständlich; denn nur auf
schneeweißem Grunde läßt sich ein brennendes Rot erzeugen. Diese
roten Leder werden nach ihrer Herkunft auch bezeichnet als babylonisch,
phönicisch, parthisch °), auch serisch"); es sind über das Land der Serer
viele Diskussionen angestellt worden 7 ), aber für unsere Betrachtungen
ergibt sich kein anderer Schluß, als der, daß unter Serer wahrscheinlich
kein geographischer, sondern ein merkantiler Name zu begreifen sei 8 ),
also eine allgemeine Handelsbezeichnung, welche die aus Jnnerasien den
Indus herabgelangenden Felle erhielten, ebenso, wie die Bezeichnungen
babylonisch, phönicisch, Persisch, parthisch vielleicht neben der wahren
Provenienz teilweise auch noch den letzten großen Handelsvermittler
angeben, welcher die Waren nach den am Mittelmeer gelegenen Em
porien verbrachte. Alle diese Namen sind nichts weiter als eine genauere
Bezeichnung des Gebietes, welches wir oben als von Indien nach Westen
bis nach Kleinasien reichend bezeichnet haben. Damit ist der Umfang
der antiken Weißgerberei noch etwas näher definiert.
Wenn wir unter diesem so gewonnenen Gesichtspunkte der Ver
breitungsgebiete die primitiveren Gerbemethoden noch einmal durchsuchen,
so ergeben sich neben den einfachen Gerbemethoden eine Menge Kom
binationsgerbungen, und diese befinden sich in einem ganz bestimmten
räumlichen Verhältnis zu den jeweils ortsüblichen einfachen Methoden.
J ) Mommsen 1893, S. 130.
• 2 ) Mommsen 1893, S. 128, 24. ») Mommsen 1893, S. 128.
4 ) Vgl. Gelzer 1909, S. 5; Speck 1900, Bd. III, S. 265.
5 ) Mommsen 1893, S. 121; Beckmann 1805, Bd. V, S. 35 f.
°) Speck 1900, Bd. I. S. 117; Lassen 1847, Bd. I. S. 553; Bd. II, S. 546,
549, 552, 553, 558 559, 567; Bd. III, S. 47, 53; vgl. auch Riggenbach 1867,
S. 17, 18, 44. Anhang S. 2.
7 ) Lassen 1847, Bd. I, S. 321; Richthofen 1877, Bd. I, S. 443—530. bes.
443, 474 ff.; 489, 494. 8 ) Lassen 1847, Bd. I, S. 321.