Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Dichtung. 
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der starke und sinnliche Kult des Weibes, das Aufsuchen über— 
feiner Narkosen von der Art etwa, wie diese durch gewisse 
Litaneien des romanischen Katholizismus hervorgerufen werden, 
und Verwandtes. Nein, die Gruppe von George und Hofmanns⸗ 
thal ist deutsch; und pflegt sie bei ihrer Vorliebe für das Selt— 
same, Prunkende, halb Perverse vielfache Beziehungen zu ex—⸗ 
tremen Richtungen auswärtiger Kulturen, so z. B. auch zum 
englischen Prärafaelitentum, so ist sie dennoch in ihrem Innersten 
sogar ausgesprochen national, ja es fehlt ihr nicht einmal die 
offensichtliche vaterländische Wallung: 
Schon lockt nicht mehr das Wunder der Lagunen, 
Das allumworbene, trümmergroße Rom, 
Wie herber Eichenduft und Rebenblüten, 
Wie sie, die deines Volkes Hort behüten, 
Wie deine Wogen, lebengrüner Strom. GEtephan George.) 
Dieser psychologisch-impressionistische Idealismus ist aber 
zugleich bisher die letzte völlig abgeschlossene Errungenschaft 
unserer dichterischen Kultur; mit ihm endet einstweilen der Lauf 
der modernen Entwicklung. Und wie der Parallelismus der 
ganzen Bewegung zu den Vorgängen auf dem Gebiete der 
bildenden Künste, so läßt sich auch die innere entwicklungs— 
geschichtliche Geschlossenheit dieses Verlaufes nicht verkennen: der 
physiologische Impressionismus mußte in einen psychologischen, 
ja, bei stärkster Vertiefung, in einen neurologischen Impressionis— 
mus auslaufen, und auf dem Gebiete jeder dieser Entwicklungen 
mußte einer Zeit naturalistischer Eroberung der neuen Kunst— 
mittel eine Zeit idealistischen Ausbaues parallel gehen und 
nachfolgen.
	        
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