Full text: Die Lage der Landwirtschaft in Ostpreussen

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Hiernach fällt in den Monaten Juni bis August in Ostpreußen beträchtlich 
mehr Regen als in Mittel- und Nordwestdeutschland. Das hat oft einen sehr nach- 
;eiligen Einfluß auf die Ernteergebnisse. Die Gewitterregen des Juni beeinträch- 
tigen nicht selten in erheblichem Umfange Qualität und Quantität des Wiesen- 
heus. Starke Niederschläge während der Blütezeit der Körnerfrucht können Not- 
’eife und dadurch schlechte Kornqualitäten mit sich bringen. Bei Kartoffeln werden 
lurch übermäßige Feuchtigkeit Phytophthora und Naßfäule gefördert. Die starken 
Niederschläge im August gefährden die Bergung der Getreideernte und weiterhin 
lie Herbstbestellung, die sich ohne Verzögerung an die Getreideernte anschließen 
muß, da nach dem 1. Oktober kaum noch wesentliche Bestellungsarbeiten auf den 
Feldern ausgeführt werden können. Da ferner ein Ausdrusch des Getreides in der 
Regel erst nach Beendigung der Ernte- und Bestellungsarbeiten möglich ist, so 
vird hierdurch der Kapitalbedarf des ostpreußischen Landwirts erhöht. 
Die Benachteiligung der ostpreußischen Landwirtschaft durch die ungünstige 
Verteilung der monatlichen Niederschläge erfährt dadurch noch eine besondere 
/erschärfung, daß die schweren und sehr schweren Böden ungefähr 60% der land- 
wirtschaftlich genutzten Fläche ausmachen und der nicht oder nur ungenügend 
neliorierte Boden in Ostpreußen eine außerordentlich große Ausdehnung aufweist. 
Die meliorationsbedürftige Fläche Ostpreußens wird vom Landeshauptmann der 
Provinz in Übereinstimmung mit anderen maßgebenden Stellen auf rund 800 000 ha 
angegeben; davon entfallen etwa 600 000 ha auf Acker- und etwa 200 000 ha auf 
Zrünlandflächen. 
Gerade in den letzten vier Jahren, die vielfach außerordentlich hohe Nieder- 
schläge aufwiesen, hat der Mangel an Meliorationen zu empfindlichen Wirtschafts- 
schäden geführt. Besonders betroffen worden ist hiervon das Gebiet mit schwerem 
Boden, welches sich in einem ziemlich zusammenhängenden Komplex über die 
Kreise Friedland, Gerdauen und Wehlau erstreckt. Allzu reichliche Niederschläge 
ıaben hier bei dem schweren und wenig dränierten Boden zu starken Betriebs- 
verlusten geführt, zumal da die anhaltende Nässe auch empfindliche Viehseuchen 
1ervorgerufen hat. 
Wie unberechenbar das ostpreußische Klima ist, erhellt aus dem Umstande, 
daß die letzten vier Jahre, die dem Gebiet mit schwerem Boden allzu reichliche 
Niederschläge gebracht haben, in einem anderen Teile Ostpreußens mit leichtem 
Boden (besonders Masuren) sich durch eine außerordentliche Trockenheit gekenn- 
zeichnet haben. 
Wenn die durch die Ungunst des Klimas in den letzten Jahren bedingten Wirt- 
schaftsschäden in der allgemeinen Erntestatistik nicht so deutlich zum Ausdruck 
kommen, so ist das darauf zurückzuführen, daß die Mißernten immer nur regional 
gewesen sind. Dennoch sind die entstandenen Schäden beträchtlich, da in ver- 
schiedenen Teilen der Provinz die schlechten Wirtschaftsiahre sich seit 1924 ge- 
häuft haben. 
2. Wirtschaftliche Produktionsbedingungen. 
a) Bevölkerungsverhältnisse (Abwanderung). 
Die Bevölkerungsfrage ist für die ostpreußische Landwirtschaft im wesent- 
lichen gleichbedeutend mit der Frage der Abwanderung der Bevölkerung vom 
Lande, da Ostpreußen zu denjenigen Gebieten Deutschlands gehört, die am 
ıtärksten von der Landflucht betroffen werden.
	        
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