Full text: Die Lage der Landwirtschaft in Ostpreussen

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seit langem nicht mehr ihr festes und rollendes Material in dem erforderlichen Um- 
fang erneuern konnten, so werden in der Zukunft sehr erhebliche Aufwendungen 
notwendig sein, wenn diese Bahnen der ostpreußischen Landwirtschaft erhalten 
bleiben sollen. 
c) Frachtlage. 
Für den Verkehr mit dem Reich ist für Ostpreußen durch die Abtretung 
der nahen Absatz- und Bezugsgebiete Posen und Westpreußen eine fracht- 
liche Sonderbelastun g eingetreten, weil Ostpreußen nunmehr gezwungen 
ist, weit entlegene Reichsgebiete als Bezugs- und Versandgebiete aufzusuchen. 
Hierbei muß es in stärkerem Maße als vor dem Kriege mit hohen Gewichts- 
verlusten und Begleitungskosten beim Viehversand (vgl. z. B. Seite 26) und einem 
hohen Prozentsatz für Schwund und Fäulnis beim Absatz pflanzlicher Er- 
zeugnisse rechnen. In Übereinstimmung mit den Handelskammern der Pro- 
vinz hat die Landwirtschaftskammer Königsberg die jährliche frachtliche Mehr- 
velastung Ostpreußens durch die Schaffung des Korridorgebiets auf 19 Mill. RM. 
geschätzt. Die Entwicklung der Frachtverhältnisse in der Nachkriegszeit hat 
besonders den Bezug eines Teils der landwirtschaftlichen Produktionemittel ver- 
teuert. Das wirkt sich um so schwerer aus, als der Fortfall der russischen Futter- 
zerste, die vor dem Kriege jährlich in Höhe von 200 000 t eingeführt wurde, Ost- 
preußen zwingt, heute seine Futtergerste aus frachtlich entfernten Gebieten zu 
beziehen. 
In der Anlage III werden die heute für Ostpreußen geltenden Fracht- 
sätze für den Bezug der wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse und 
Produktionsmittel dargestellt und mit den Vorkriegssätzen verglichen. In 
‘hnen sind die für Ostpreußen geltenden Ausnahme- und Sondertarife berück- 
sichligt worden, nicht dagegen die aus der Ostpreußenhilfe jährlich gewährten 
10 Mill. RM. zur frachtlichen Entlastung der Provinz, da es sich hierbei nur um 
ine zeitlich kurz begrenzte Hilfe handelt. Die aus der Ostpreußenhilfe gewährten 
F"rachtermäßigungen werden in einer Sondertabelle dargestellt (Anlage III). 
Betrachtet man auf Grund der vorliegenden Zusammenstellungen die ost- 
preußischen Frachtsätze in der Vor- und N achkriegszeit, so lassen sich mit gewissen 
Einschränkungen folgende Veränderungen in den Frachtsätzen der wichtigsten 
‚andwirtschaftlichen Absatz- und Bedarfsartikel herausschälen: . 
Die Frachtsätze für die Entfernung bis zu 200 km liegen für sämtliche auf- 
geführten Güter mit Ausnahme der Pferde heute höher als in der Vorkriegszeit. 
Der Verkehr innerhalb der Provinz ist heute algo teurer als in der Vorkriegsgzeit. 
Im Fernverkehr dürften für Ostpreußen die Frachtsätze für die Entfernung 
von 600 bis 700 km besondere Bedeutung haben. Die geltenden ostpreußischen 
Frachteätze für diese Entfernungen sind höher als in der Vorkriegszeit bei 
Schweinen, künstlichen Düngemitteln und Maschinen. Sie liegen unter den Vor- 
<riegssätzen bei Rindern, Kartoffeln (fast der gleiche Satz wie in der Vorkriegs- 
zeit), Kleie und Pferden. 
Bei den weitesten Entfernungen von 1000 und mehr Kilometern sind wiederum 
die Frachten fast ausnahmslos niedriger als in der Vorkriegszeit. 
Besonders wichtig erscheint auf Grund der vorstehenden Frachtübersichten 
lie schon erwähnte Tatsache, daß die wichtigsten landwirtschaftlichen Bedarfs- 
artikel, vor allem Maschinen und Düngemittel, auf sämtlichen Entfernungen durch 
nöhere Frachtsätze als in der Vorkriegszeit belastet sind}!). 
1) Die Fabriken, die sich in Ostpreußen mit der Herstellung landwirtschaftlicher 
Maschinen beschäftigen, spielen in der Gesamtversorgung der ostpreußischen Landwirtschaft nur 
sine geringe Rolle. In erster Linie stellen sie leichtere Ackergeräte her; insbesondere müssen
	        
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