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hinaus bedeutet auch das ostpreußische Klima eine Benachteiligung des Absatzes
von. Speisekartoffeln. Masuren ist auf Kartoffelbau angewiesen. Es kann aber
seine Mieten im Frühjahr erst öffnen, wenn in anderen Gebieten Deutschlands
gowie den ehemaligen deutschen Provinzen Posen und Westpreußen der Bedarf
an Kartoffeln bereits gedeckt ist. Man muß daher die Kartoffeln an Ort und
Stelle an Schweine verfüttern und kann nicht je nach Marktlage verfüttern oder
Speisekartoffeln absetzen*).
b) Viehhaltung.
Die klimatischen Verhältnisse Ostpreußens bieten besonders gute Vor-
bedingungen für Viehzucht und Viehhaltung. Der Rückgang der Getreideanbau-
fläche und die Vermehrung der Hutungen und Weiden sowie des Hackfruchtbaues
(vgl. S. 15) deuten darauf hin, daß unter dem Druck der gegenwärtigen Wirt-
schaftslage die ostpreußische Landwirtschaft der Viehhaltung eine noch größere
Bedeutung beimißt als vor dem Kriege.
Ostpreußen ist ein historisches Gebiet der Pferdezucht. Daneben hat die
Rindviehhaltung, gefördert durch das organisatorische Wirken führender Männer,
einen vorbildlichen Hochstand erreicht. Die starke Durchsetzung der Provinz mit
bäuerlichen Betrieben verleiht auch der Schweinehaltung eine erhöhte Bedeutung.
Pferdezucht.
Nach den empfindlichen Einbußen, die die ostpreußische Pferdezucht durch
den Krieg erlitt, erfolgte in den ersten Nachkriegsjahren zunächst eine wesentliche
Wiederauffüllung des Bestandes, vor allem bedingt durch die notwendige verstärkte
Anspannung, um die Kriegsäcker wieder hochzubringen, die Einfuhrbeschränkungen,
die Reparationslieferungen, die Zunahme der Pferdeschlachtungen und durch die
Inflation selbst, deren Scheingewinne eine vermehrte Pferdehaltung mit sich
brachten. 1924 trat ein völliger Umschwung ein, indem die Nachfrage nach
Zucht- und Arbeitepferden stark zurückging und damit auch die Preise unbe-
friedigend wurden. Eine weitere Erschwerung des Absatzes brachte die starke
Einfuhr ausländischer Pferde.
Die Entwicklung des Pferdebestandes ergibt sich aus folgender Übersicht:
Pferdebestand in Ostpreußen und Preußen,
19181)
1925
Ostpreußen: Pferde insgesamt. . . . 518 188 498 747
darunter Pferde unter 3 Jahren . . 114850 137 606
Preußen?): Pferde insgesamt . . . . 12615869 2712768
darunter Pferde unter 3 Jahren . . | 370696 592571
1) Jetziger Gebietsumfang. 23 Preußen ohne Saargebiet.
1926
1927
1928
490049 481122 | 465610
126926 110580 95 299
2670942 2619923 | 2 546 984
521343 | 422483 | 344313
Der Rückgang des Pferdebestandes im Jahre 1928 gegenüber 1913 beträgt in
Ostpreußen 9,3 %, in Preußen 2,6 %; bei Pferden unter 3 Jahren in Ostpreußen
17 %, in Preußen 7,1%.
Am stärksten betroffen ist unzweifelhaft die Warmblutzucht. Diese
stand vor dem Kriege in hoher Blüte. Ostpreußen lieferte das beste Armeepferd
und setzte jährlich 14 000 Remonten ab.
1) Vgl. hierzu Beckmann: „Ostpreußen und Polen“, Berichte über Landwirtschaft NF.,
Berlin 1927.