Full text: Die Lage der Landwirtschaft in Ostpreussen

— 22 — 
Ostpreußen einen großen frachtlichen Vorsprung haben.“ Trotzdem ist der Absatz 
von Zucht- und Nutzvieh nach Angaben des Tierzuchtdirektors Peters in Königse- 
berg jedenfalls bis zum Herbst 1928 größer als vor dem Kriege gewesen. 
Diese Absatzsteigerung ist im wesentlichen auf die häufigen an verschiedenen 
Orten abgehaltenen großen Zuchtviehauktionen in Ostpreußen zurückzuführen. 
Diese Auktionen bieten eine günstige Ankaufgelegenheit, weil die Käufer aus 
anderen Provinzen hier das zum Verkauf kommende Material an einem Platze 
zusammen finden. Von den Zuchtviehauktionen gehen nach Angabe der Landwirt- 
schaftskammer etwa 20% der Bullen und etwa 80% der weiblichen Tiere nach 
auswärtigen Zuchtbezirken. Der gestiegene Zuchtviehabsatz ging aber nicht Hand 
ı.n Hand mit einer günstigen Preisentwicklung. Im vergangenen Jahre sind die 
Zuchtviehpreise stark zurückgegangen. Näheres hierüber ist in dem Abschnitt über 
die Preisverhältnisse ausgeführt worden (vgl. S. 13). Seit dem Herbst 1928 ist der 
Absatz an Zucht- und Nutzvieh in Ostpreußen ins Stocken geraten. 
Der Absatz an ostpreußischem Schlachtvieh ist durch die schlechten 
Preise in den letzten Jahren stark beeinträchtigt worden. Gerade durch den 
Preisrückgang der mittleren und geringeren Qualitäten wird die Provinz Ost- 
preußen besonders hart getroffen, weil das ungünstige Klima und der Mangel an 
Mastfutter die ostpreußischen Landwirte zwingt, ihre Tiere mager oder im eben 
angemästeten Zustand auf den Markt zu bringen. Die Zahl der Wirtschaften, die 
in Ostpreußen Vollmast treiben können, ist nach einem Gutachten von Tierzucht- 
direktor Dr. Peters verhältnismäßig gering. Die schlechten Preise haben zu einer 
vermehrten Ausfuhr von Kälbern zu Schlachtzwecken geführt, während die Aus- 
{uhr von Stieren und Ochsen infolge der verminderten Jungviehzucht zurück- 
zegangen ist). Es wurden nach der Reichsbahnstatistik ausgeführt. 
Rindvieh, Stück. . . 
larunter Stiere und Ochsen 
larunter Kälber 
1913 1925 1926 
263 190 222 112 185 249 
18 671 6 586 5 844 
36 316 59 546 65 778 
Eine Aussonderung der Versandzahlen für Zucht- und Nutzvieh ist aus der 
Reichsbahnstatistik nicht möglich. 
Die Produktions- und Absatzbedingungen haben sich gegenüber der Vorkriegs- 
zeit insofern verschoben, als die Aufzucht infolge der verteuerten Kraftfuttermittel 
und der hohen Zinsen heute wesentlich teurer ist als in der Vorkriegszeit, Trotz 
dieser Schwierigkeiten wird in der Provinz intensiv an der Verbesserung der Rind- 
viehzucht gearbeitet, was besonders in der Milchwirtschaft. zu sehr günstigen 
Resultaten geführt hat. 
Ostpreußen hat auf dem Gebiete der Rindviehzucht die stärkste Organisation 
Deutschlands. Die Provinz hat das am weitesten verbreitete Zücht erver- 
einswesen und auch das dichteste Netz von Kontrollvereinen. 
') Der Bestand an Ochsen und Bullen (Stieren) betrug: 
VE EEE 
in Ostpreußen 
in Preußen. 
{918 
1927 | 1998 
Abnahme 
1928 
gegenüber 
1912 
88919 ° 38870 | 883258 | 62,6% 
695188 | 835905 | 838247 | 51,2 0%
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.