Object: Werke und Schriften bis Anfang 1844 (1,2.1930)

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(20) 1837 Nov. 17 
20. Der Vater an Marx in Berlin mit Nachschrift 
der Schwester Sophie; Trier 1837 November 17 
Original: Archiv der Sozialdemokratischen Partei. Berlin 
Lieber Karl! 
Trier, den 17. Nov. 1837. 
Ob Du wohl noch Dein Hauptquartier in Stralow hast? Bei dieser 
Jahreszeit und in dem Lande, wo keine Zitronen blühen, mag dies kaum 
denkbar sein? Aber wo denn? Das ist die F rage, und für einen prak- 
tischen Menschen ist das erste Erfordernis zur Korrespondenz: daß man 
eine Adresse kenne — ich muß die Güte anderer deshalb in Anspruch x 
nehmen. 
Doch Adresse ist Form, und das scheint grade Deine schwache Seite 
zu sein. Anderst mag es sich wohl mit dem Materiellen verhalten? Das 
sollte man wenigstens vermuten, wenn man bedenkt, 1) daß es Dir an 
Stoff nicht fehlt, 2) daß Deine Lage ernsthaft genug ist, um hohes Interesse 1 
zu erwecken, 3) daß Dein Vater vielleicht etwas partelisch Dir anhängt 
etc. etc. ete., und noch nach einem Zeitraum von zwei Monat, wovon der 
zweite mir unangenehme Stunden voller Besorgnis brachte, erhalte ich 
ein Schreiben ohne Form und Inhalt, ein abgerissenes, nichtssagendes 
Fragment, was mit dem Vorhergegangenen nicht in Berührung stand und 2 
sich nicht an die Zukunft knüpfte! 
Wenn Korrespondenz Interesse und Wert haben soll, so muß Konse- 
quenz darin liegen, und der Schreibende muß notwendig sein letztes 
Schreiben vor Augen haben, sowie die letzte Antwort. Dein vorletztes 
Schreiben hatte so manches, was meine Erwartung spannte. Ich hatte 25 
mehrere Briefe geschrieben, die manche Auskunft verlangten. Und statt 
alles dessen gin fragmentarisch abgerissener, und was noch viel schlimmer 
ist, ein zerrissener Brief, — 
Öffenherzig gesprochen, mein lieber Karl, ich liebe dies moderne 
Wort nicht, worin sich alle Schwächlinge hüllen, wenn sie mit der Welt z 
hadern, daß sie nicht ohne alle Arbeit und Mühe wohl möblierte Palaste 
mit Millionen und Equipagen besitzen. Diese Zerrissenheit ist mir ekel- 
haft, und von Dir erwarte ich sie am allerwenigsten. Welchen Grund 
kannst Du hierzu haben? Hat Dir nicht seit der Wiege an alles gelächelt? 
Hat die Natur Dich nicht herrlich begabt? Haben Deine Eltern Dich nicht 35 
mit verschwenderischer Liebe umfaßt? Hat es Dir bisher je daran gefehlt, 
Deine vernünftigen Wünsche zu befriedigen? Und hast Du nicht auf die 
unbegreiflichste Weise das Herz eines Mädchens davongetragen, das Dir 
Tausende beneiden? Und die erste Widerwärtigkeit, der erste mißlungene 
Wunsch bringt dennoch Zerrissenheit hervor! Ist das Stärke? Ist das 4 
männlicher Charakter? — 
Du selbst hattest Dich dahin ausgesprochen — mit dürren Worten —, 
Du wolltest mit der Zusicherung für die Zukunft Dich begnügen und 
mittelst derselben auf alle äußern Zeichen für die Gegenwart entsagen. 
War das nicht buchstäblich auf Schreiben verzichtet? Und nur Kinder 45 
beschweren sich über das gegebene Wort. wenn sie beginnen das 
Drückende zu fühlen.
	        
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