— ndasan
4. Kap. Bevölkerung und Wirtschaft, vornehmlich in der deutschen Geschichte 107
18. Jahrhundert eine wesentliche Besserung in dem Verhältnis zwischen
Volkszahl und Nahrungsspielraum — vor allem in seinen letzten
Jahrzehnten — gebracht hat. Wenn das vielleicht gar nicht oder
aur in geringem Maße der Fall war, so hing dies jedenfalls auch in
Deutschland mit den damaligen politischen Zuständen, hauptsächlich
mit der unseligen Kleinstaaterei, zusammen, J. F. v. Pfeiffer hat
in seinem in den Jahren 1777—78 erschienenen Buche „Grundriß
der wahren und falschen Staatskunst“ ein besonderes Kapitel, das
die Überschrift trägt: „Gebrechen des Nahrungsstandes, die aus der
Natur der Staatsverfassung Deutschlands entspringen“ !). Es fehlt
zu viel daran, meint er, „daß die Häupter des deutschen Staatskörpers
einerlei Geist haben und nach einerlei Plan die Glückseligkeit
des Vaterlandes bearbeiten sollten. Jeder sorget für sich, so gut er
kann oder er es versteht“. Er zählt eingehend die traurigen Folgen
auf, „so Deutschland der Vielheit seiner Regenten zu verdanken
habe“. „Jeder große und kleine Fürst will Manufakturen haben.
Kaum hat er eine desgleichen eingerichtet, oder vielleicht durch ein
Monopolium errichten lassen, so werden schon alle fremden Waren
dieser Art verboten. Die Manufaktur wird folglich eine neue Koniribution
für das Land und kommt auch selten empor, obgleich der
Untertan geringe Waren zu hohen Preisen nehmen muß. Jeder
deutsche Fürst lebt also mit anderen deutschen Fürsten in Art eines
beständigen Krieges; die Waren der Nachbarn werden entweder mit
hohem Import belegt oder gar verboten“. „Ist aber nicht die Vielheit
der Regenten eine der vorzüglichsten Ursachen der Armut und
des Elends der Untertanen?“
Entspricht es. nicht durchaus diesen Darlegungen Pfeiffers,
wenn Kuske für die damalige Zeit die Übervölkerung Kölns darauf
zurückführt, daß die Stadt in der Entwicklung von Gewerbe und
Handel und damit in der Schaffung neuer Arbeitsgelegenheit dadurch
gehemmt war, daß sie ein selbständiger Staat ohne ein größeres
Gebiet war und nach außen hin auf die Aus- und Einfuhrverbote
oder mindestens hohe Fabrikatzölle der Nachbarstaaten stieß? Wenn
man die Faktoren in Rechnung zieht, die das Größenverhältnis
zwischen Volkszahl und Nahrungsspielraum in einem Lande beein-Aussen,
so darf man auch solche Erscheinungen nicht außer acht
lassen. N
Mit derartigen Tendenzen, wie wir sie auf den letzten Seiten
kennen lernten, hing es dann jedenfalls auch zusammen, daß wir
1) 2. Bd., S. 163£f.