Full text: Bevölkerungslehre

‚LO 
Erster geschichtlicher Teil 
gemeinden selbst eine Neigung, die Zahl der Ortseinwohner zu ge- 
ring anzugeben, um an Leistungen, welche nach der Einwohnerzahl 
berechnet werden, zu sparen. Die Zählungen vervollkommnen sich 
unverkennbar fortschreitend in dieser Beziehung“ ?)., Kamen derartige 
Zustände noch im 19. Jahrhundert vor, so muß man derartige 
Fehlerquellen erst recht und in noch größerem Ausmaße für die 
Zählungen des 17. und 18. Jahrhunderts annehmen.‘ Wenn das 
aber zutrifft und wenn sich die Fehlerquellen im Laufe der Zeit 
verringert haben, dann ergibt sich daraus, daß das Volkswachstum 
in Wirklichkeit geringer gewesen ist, als wie es bei Benutzung 
älterer Zählungen zum Ausdruck kommt. 
a. Die Volkszahl der deutschen Städte. Für eine 
Reihe von deutschen Städten hat man im letzten Menschenalter die 
Volkszahl zu rekonstruieren versucht,?). Die erste Zählung in einer 
deutschen Stadt hat im Jahre 1449 in Nürnberg stattgefunden. Nach 
den Zusammenstellungen von Häpke. bei welchen auch die 
Quellen angegeben sind, ergibt sich für eine Reihe deutscher Städte 
das folgende Bild: 
Augsburg 
Butzbach i, W. 
37 
Dresden 
»” 
Frankfurt a. M. 
»” 
Freiberg i. S, 
Heidelberg 
Leipzig 
Lübeck 
Hl 
Mainz 
Meißen 
Rostock 
» 
Überlingen 
Ulm 
Jahr 
1475 
[421 
1462 
1474 
1491 
1387 
1440 
ca. 1474 
1439 
1474 
Ende d. 14. Jh. 
»” 15, „ 
‘5. Jh. 
1481 
1387 
1410 
1444 
1427 
1489 
Einwohnerzahl 
18 300 
2.235 
1810 
3 190 
5 000 
Ca. 10000 
ca. 9000 
ca. 5000 
ca. 5200 
ca, 4000 
22 300 
23 672 
5767 
ca, 2000 
10.785 
13 935 
ca. 4800 
ca. 20000 
Ca. 20 000 
'.J. G. Hoffmann, Die Bevölkerung d. preußischen Staates nach d. Ergeb- 
nissen d, zu Ende d. Jahres 1837 amtlich aufgenommenen Nachrichten, 1839, S. ı8. 
% Solche Zusammenfassungen gibt es z. B. bei Inama-Sternegg, Deutsche 
Wirtschaftsgeschichte, Bd. ı, bei Schmoller, Deutsches Städtewesen, a. a. O.,, 
Häpke, Art. „Bevölkerungswesen“, a. a. O. — J. Jastrow, Die Volkszahl d, 
deutschen Städte zu Ende d. Mittelalters u. zu Beginn d. Neuzeit, 1886. — W. Reisner.
	        
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