Full text: Bevölkerungslehre

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Erster geschichtlicher Teil 
mit teutschem Volck besetzen / solts dannoch Teutschland kaum 
ansehen *).“ 
Aber damit sind die Schriftsteller zu Ende, die in jener Zeit 
sich über die Zusammenhänge von Bevölkerung und Wirtschaft 
überhaupt geäußert haben und wir kommen nun in das Zeitalter 
des sogenannten Merkantilismus, in eine sehr bevölkerungsfrohe 
Periode hinein. Noch Sebastian Franck hatte als Symptom für 
die große Bevölkerung darauf hingewiesen, daß die Preise allent- 
halben erheblich gestiegen seien. In der gleichen Zeit erscheinen 
jedoch die drei Albertinisch-Ernestinischen Münzschriften, be- 
kanntlich die erste deutsche nationalökonomische Schrift überhaupt, 
aus der uns ein ganz anderer Geist entgegenweht. In ihr heißt es 
u. a.: „Dadurch mehrte sich auch die Bevölkerung hierzulande merk- 
lich und der Wert der Güter und das Einkommen des Adels stieg 
zusehends. Denn wo viele Menschen da sind, da findet sich Absatz 
für die Waren, da kann der Adel aus seiner Viehzucht Gewinn 
ziehen, die Fische aus seinen Teichen verwerten, Weizen, Korn, 
Gerste und Hafer zu befriedigendem Preise verkaufen, da bekommt 
sein Holz, Stroh und Heu rechten Wert. Der Bürger kann sein Bier 
verschenken, kann sein Tuch, seine Röcke und Schuhe ... an den 
Mann bringen für gutes Geld. Es können auch Bäcker und Fleischer 
ihr Gewerbe mit größerem Vorteil betreiben und der Bauer seinen 
Acker mit Erfolg nutzen.“ „All diesen Segen verdanken wir der 
Menge der Menschen, welche um des Handels und des Bergbaues 
willen, in Anbetracht des hier herrschenden Friedens und der guten 
Münzzustände in diese Lande strömen“ ?). 
In diesen Worten haben wir bereits eine wesentliche Begründung 
für die bevölkerungsfreundlichen Anschauungen dieses Zeitalters, die 
sich dann noch im 17. und 18. Jahrhundert wesentlich verstärkt 
haben. Das war vor allem in Deutschland der Fall, wo ja durch 
den 30jährigen Krieg so große Bevölkerungsverluste eingetreten 
waren. Allerdings auch in anderen Staaten, in denen dies nicht 
der Fall war, begegnen wir in dieser Zeit allgemein solch popu- 
lationistischen Anschauungen, Im großen und ganzen waren dafür 
namentlich drei Gesichtspunkte maßgebend. Man glaubte einmal viel- 
fach, daß die Bevölkerung gegenüber der Vergangenheit in der Ab- 
nahme begriffen sei. Außerdem sah man in einer großen Volkszahl 
die Voraussetzung politischer Machtstellung und daneben — nicht 
!) Jolles, a. a. O., 5. 4. 
*) Die 3 Flugschriften über d. Münzstreit d. sächsischen Albertiner u. Ernestiner 
um 1530. Herausgegeben von W. Lotz, 18093.
	        
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