Full text: Bevölkerungslehre

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Erster geschichtlicher Teil 
Kräfte des Landes ermöglichte. War doch A. Hamilton, der 
große amerikanische Staatsmann am Ausgang des 18. Jahrhunderts, 
vor allem auch deshalb für die Schaffung einer eigenen amerika- 
nischen Industrie eingetreten, weil allein auf einer solchen Grund- 
lage eine stärkere Einwanderung möglich war, die bei der damals 
sehr dünnen Besiedelung des Bodens als besonders wichtig erschien. 
Seine Hauptargumente gegen Malthus schöpft Carey aus 
folgenden Überlegungen. Die Menschen besitzen verschiedene 
Gaben und Fähigkeiten, sie ergänzen sich deshalb gegenseitig und 
können einander helfen. Wenn aber diese „Associationskraft“, der 
Carey eine besonders große Bedeutung beimißt, zu ihrer vollem 
Entfaltung und Wirksamkeit kommen soll, dann müssen die Menschen 
an Zahl zunehmen. Es kommt an dieser Stelle nicht darauf an, 
genauer zu zeigen, in welcher Weise Carey Malthus mißverstanden, 
auch seine Lehre entstellt hat. Das ist ja häufig genug von seiten 
der Gegner der Malthus’schen Lehre geschehen. Es handelt sich viel- 
mehr darum, den Kern der Carey’schen Lehre genauer kennen zu 
lernen. Er überträgt seine deistische Auffassung von der Welt, 
daß nach dem Willen des Schöpfers überall ein harmonischer Zu- 
stand herrschen solle, auch auf die Lehre von der Bevölkerung. 
„Ist es möglich‘, sagt er, „daß der Schöpfer so sehr mit sich selbst 
in Widerspruch geriet? Ist es möglich, daß er, nachdem er in der 
ganzen materiellen Welt ein System eingerichtet hatte, dessen Teile 
in der vollkommensten Harmonie untereinander stehen, daß er dann 
den Menschen, den Herrn von Allem, Gesetzen unterworfen hat, 
die eine allgemeine Disharmonie erzeugen müssen? Ist es möglich, 
daß er, nachdem er den Menschen alle Eigenschaften verliehen hat, 
die zur Ergreifung der Herrschaft über die Natur notwendig sind, 
es auch in seinem Plane gelegen war, denselben Menschen Gesetzen 
zu unterwerfen, kraft deren er Sklave der Natur werden muß“?!) 
Aus zwei Erwägungen heraus verneint Carey diese Frage. 
Das eine ist der Gedanke, der später noch in anderem Zusammen- 
hang zu besprechen sein wird, daß der Grad der menschlichen 
Fruchtbarkeit im umgekehrten Verhältnis zur Entwicklung des 
Nervensystems variire. Die Reproduktionskraft der Menschen ver- 
mindert sich, „wenn seine verschiedenen Fähigkeiten zur Tätigkeit 
angespornt, wenn die Beschäftigungen vervielfältigt werden, wenn 
die Aktion der Gesellschaft rascher wird. wenn der Grund und 
#4) Lehrbuch der Volkswirtschaft u. Sozialwissenschaft, Deutsch v. C. Adler, 
‚8366, S. 590,
	        
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