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Erster geschichtlicher Teil
primitive Bestellung des Bodens, die geringe Ausbildung von Verkehr
und Handel, mußten die Größe des Nahrungsspielraumes viel
abhängiger von den elementaren Ereignissen der Natur werden
lassen, als das heute der Fall ist. Es handelt sich hierbei in erster
Linie um Mißernten als Folge ungünstiger Witterungsverhältnisse,
um den Einfluß von Überschwemmungen und von Kriegen auf den
Ertrag des Bodens. Die Folgen solcher Ereignisse waren Hungersnöte,
die sich häufig über mehrere Jahre erstreckten. Für die
längere Dauer entscheidend war die damit verbundene allgemeine
Depression, die noch lange auf die Wirtschaft nachwirkte. „Der
Ackerbau lag ganz darnieder, oft wurde in der Not das Saatgetreide
ganz oder zum Teile verzehrt, am schlimmsten aber mußte es wirken,
daß regelmäßig, von furchtbarer Panik ergriffen, die Landbevölkerung
den Acker überhaupt im Stiche ließ und so die ganze Getreideproduktion
ins Stocken geriet *).“ Für das Moselland hat Lamprecht
für das 8. und 9. Jahrhundert fünfzehn große Hungersnöte festgestellt.
„Die Preise schnellen in den Hungersnöten des frühen Mittelalters
zumeist in ganz exorbitanter Weise in die Höhe, das Sechs- und
Siebenfache, ja das Zwanzigfache der Normalpreise für die gangbarsten
Nahrungsmittel, wie Roggen, Spelz, Wein, ist nichts Ungewöhnliches.“
„Daneben starben viele Hungers; die Straßen auch großer Städte,
wie etwa Lüttichs, liegen voll Sterbenden und verzweifelt Ächzenden,
denen christliche Milde nur noch im frühesten Morgen Spenden
auszuteilen wagt, ganze Dörfer sterben aus; und die Spuren einer
Hungersnot sind noch auf ein Jahrzehnt hinaus sichtbar *).“
Für die Periode von 1202—1291 hat Lamprecht den Mindestpreis
für Roggen mit 32, den Höchstpreis mit 102 festgestellt ®).
In solchen Zeiten war die Sterblichkeit deshalb auch eine ungemein
große, weil im Gefolge der Hungersnöte regelmäßig Krankheiten
und Epidemien auftraten, die. furchtbar in der Bevölkerung
h4austen %).
Unter dem Gesichtspunkte der Zusammenhänge von Bevölkerung
und Wirtschaft betrachtet, haben diese Hungersnöte eine doppelte
Bedeutung. Sie lassen einmal erkennen, wie groß die allgemeine
1) F, Curschmann, Hungersnöte im Mittelalter, 1900, S. 27. — Für diese
Zusammenhänge bringt auch wertvolles Material A, Maurizio, Die Geschichte
unserer Pflanzennahrung, 1928, Kap. 12. Überreste des Sammelns in Zeiten der Not
und Teuerung,
?) Lamprecht, a, a. O., S. 59/92.
3) Lamprecht, a. a. O., S. 599.
N) Curschmann, a. a. O., S. 6off,