In 60,3 % aller Fälle waren die Mütter berufstätig. 10,3 %
arbeiteten im Hanse als Heimarbeiterinnen, Kundennäherinnen,
Wäscherinnen und Büglerinnen, 17,3 % waren stundenweise außer
dem Hanse berufstätig und 24,0 % den ganzen Tag außer dem
Hanse. Nur 11,0 % der kriminellen Jugendlichen hatten eine
gesunde, beruflose Mutter. Bei diesen handelte es sich einerseits
um wohlhabende oder wenigstens in guten, geordneten Verhält
nissen lebende, andererseits uin sehr kinderreiche und sittlich tiefstehende
Familien, bei denen es zu keiner geregelten Berufstätigkeit kommt.
Großer Kinderreichtum bedeutet in den hier in Frage kommenden
Kreisen meist bittere Armut, namentlich ungünstige Wohnungs-
Verhältnisse, und schafft ebenso, wie die durch den moralischen Tief
stand der Mntter verursachte Berufslosigkeit den denkbar schlech
testen Boden siir die Entwicklung der heranwachsenden Generation.
Diese Gruppe ist also nicht einheitlich; sie umfaßt vielmehr die
besten und die schlechtesten häuslichen Verhältnisse. Unter den im
Hause Tätigen spielt, wie das nicht anders zu erwarten ist, die
Heimarbeiterin zahlenmäßig die größte Rolle.
Es ist nicht ganz leicht, aus dieser Untersuchung eürwand
freie Schlüsse darauf zu ziehen, bei tvelcher Art von Tätigkeit der
Mutter die Kinder besonders gefährdet sind-, weil uns die Ver
gleichszählen fehlen und man nicht tveiß, wie groß die absolute
Zahl der Fabrikarbeiterinnen, Heimarbeiterinnen, Waschfrauen usw.
in der entsprecherwen Bevölkerung ist. Auf jeden Fall lverden
wir allerdings sagen können, daß die Heimarbeiterinnen und die
nur stundenweise außer dem Hause Berufstätigen in Berlin unt
seiner umfangreichen Konfektionsindustrie eine tveitaus größere
Berufsgvuppe unter den verheirateten Frauen bilden als die Fabrik
arbeiterinnen, Wasch- und Putzfrauen, Verkäuferinnen und sonst
den Tag über außer den: Hause Tätigen. Wir können außerdem
mit Sicherheit annehmen, daß die erste Gruppe eine verhältnis
mäßig viel größere Kinderzahl aufweist. Wenigstens ergibt das
ein Vergleich der Kinderzahl bei Heimarbeiterinnen aus den Er
hebungen des Gewerkvereins der Heimarbeiterinnen Deutschlands*)
0 Käthe Ga edel: Die Lage der Heimarbeiterinnen. S. 10.