(804) 1862 Nov. 5
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Quant ä l’Amerique, so glaube ich allerdings auch, daß die
Konföderierten in Maryland einen unerwarteten moralischen
Schlag von großer Bedeutung erhalten haben. Auch bin ich über-
zeugt, daß der definitive Besitz der Borderstates über das Re-
s sultat des Kriegs entscheidet. Ich bin aber keineswegs sicher, daß
die Geschichte in so klassischer Form verlaufen wird, wie Du zu
glauben scheinst. Trotz alles Geschreis der Yankees ist noch gar
kein Symptom vorhanden, daß die Leute den Kram als eine wirk-
lich nationale Existenzfrage ansehn. Im Gegenteil, diese Wahl-
o’siege der Demokraten beweisen eher, daß die des Kriegs über-
drüssige Partei am Wachsen ist. Wäre nur ein Beweis, ein An-
zeichen da, daß die Massen im Norden anfangen aufzutreten wie
in Frankreich 1792 und 1793, so wäre das Alles sehr schön. Aber
die einzige Revolution, die zu erwarten, scheint eher eine demokra-
15 tische Konterrevolution und ein fauler Friede zu sein, der auch
die Borderstates verteilt. Daß damit die Sache noch lange nicht
abgemacht — granted. Aber doch vor der Hand. Ich muß sagen,
ich kann mich für ein Volk nicht enthusiasmieren, das in einer so
kolossalen Frage sich fortwährend von % seiner eignen Bevölke-
2 rungszahl klopfen läßt und nach 18 Monaten Krieg weiter nichts
erreicht hat als die Entdeckung, daß alle seine Generale Esel und
seine Zivilbeamten Spitzbuben und Verräter sind. Die Sache muß
denn doch anders kommen, selbst in einer bürgerlichen Republik,
wenn sie nicht ganz in den Dreck geritten werden soll. Was Du von
der Gemeinheit der englischen Art, die Sache aufzufassen. sagst,
ist ganz meine Ansicht. ;
Hier fängt der distress allmählich an, akut zu werden. Gum-
pert sagt mir, daß alle ernsteren Krankheitsfälle an seinem Ho-
spital typhösen Charakter annehmen, und Fälle von Tuberkulose,
% deren Ursprung auf die letzten 8—9 Monate sich zurückführen
lassen, stark zunehmen. Ich denke, bis nächsten Monat werden
die Arbeiter auch die passive Jammermiene satt werden. mit der
sie jetzt dasitzen.
Beste Grüße.
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Dein F. E.
Ein Kopenhagener deutscher Kaufmann, Exdemokrat von 48,
der Freiligrlath] besuchte, wurde von diesem aus Veranlassung
eines schleswig-holstein-Gesprächs zu Blind gewiesen. Ich sagte
dem Manne, Bl[ind] sei ein Waschweib.
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