(859) 1864 Mai 30
sein, die plötzliche asthmatische Beklemmung komme bei solchen
Zuständen häufig vor und rühre von Zirkulationsstörungen her, es
ließe sich da nur gegen den Zustand im Allgemeinen etwas tun,
und wußte zu Allens Behandlung auch weiter nichts hinzuzufügen,
; schien übrigens die Sache durchaus nicht ernsthaft zu nehmen.
Die virginische Kampagne trägt wieder den Charakter der Un-
entschiedenheit, genauer gesagt, der Schwierigkeit, es auf diesem
Terrain überhaupt zu einer Entscheidung zu bringen. Auf die
Nachrichten per Scotia gebe ich nichts, sie haben bloß die Bedeu-
o tung, daß der 8tägige Regen den Lee vor der Notwendigkeit, fort
und fort Schlachten & la Solferino zu schlagen, gerettet hat. Und
das ist viel für ihn. Noch 2 solcher Schlachten, und seine Armee,
die jeden Abend eine neue, rückwärtige Position einnehmen mußte,
war jedenfalls in sehr schlechter Verfassung, schwerlich fähig,
s noch irgendwo vor Richmond Stand zu halten. Grant hat sicher
auch durch die Stockung gewonnen, aber nicht in demselben Ver-
hältnis. Die Verstärkungen, die er jetzt bezieht, werden nicht viel
wert sein. Doch sollte mich nicht wundern, wenn Lee bald nach
Richmond abzöge. Da wird dann der entscheidende Kampf statt-
2 finden.
Bismarck scheint ein kolossales Glück zu haben, es sieht ganz
aus, als wenn ein augustenburgischer Friede zu Stande käme. Ich
kann mir das noch gar nicht zusammenreimen, aber der heutige
sehr schlappdrohende Artikel in der Mlorning] Post bestätigt mir
; die Sache. (Darin steht u. a., Schleswig solle geteilt werden
und — die Eider die neue Grenze zwischen Dänisch- und
Deutsch-Schleswig sein!) Trotzdem, so plausibel Alles aus-
sieht, kann ich mir doch kaum denken, daß die Russen so ohne
Weiteres alle ihre Erfolge von 1851/52 fahren lassen, um so weni-
% ger, da nirgends ein Äquivalent für sie zu ersehen ist.
In Deinem Francoeur habe ich mich in die Arithmetik vertieft,
von der Du Dich ziemlich fern gehalten zu haben scheinst, nach
den schmählichen unkorrigierten Druckfehlern in den Zahlen zu
urteilen. Einzelnes ist sehr elegant, dagegen die praktische
x Seite der Arithmetik schändlich schlecht und flach behandelt, auf
jeder deutschen Schule ist das besser zu haben. Auch zweifle ich
daran, ob es praktisch ist, Sachen wie Wurzeln, Potenzen, Reihen,
Logarithmen etc. auch nur elementar bLo ß mit Zahlen (ohne alle
algebraische Beihilfe und in fact ohne Voraussetzung algebrai-
w scher Elementarkenntnisse) abzuhandeln, So gut die Beinahme
von Zahlenbeispielen zur Illustration ist, so kommt mir doch hier
die Beschränkung auf Zahlen weniger anschaulich vor als die ein-
fache algebraische Behandlung mit a + b, eben weil der allge-
meine Ausdruck in der algebraischen Form einfacher und an-
w schaulicher ist, und ohne den allgemeinen Ausdruck ist auch hier
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