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(933) 1865 Aug. 5
Besuch Dronkes an (der gestern hier war), aber in einer so kon-
fusen Weise, daß nicht aus dem seriptum klug zu werden. Das
„Referat“ hängt unserm poor Eichhoff an wie seine Haut, und
wird er durch keine Operation davon. zu trennen sein.
Was sagst Du von Siebels patriotisch-liberal-poetischen Lei-
stungen? Das Zeug scheint alles im dumpfsten Katzenjammer ge-
schrieben. Es ist reiner Blödsinn und schlägt everything, was unser
Freund früher geleistet hat.
Der Versuch des „Social-Demokraten“, sich auf die bürger-
liche Seite zu werfen, ist Zeichen vollständigsten Fiaskos, obgleich 1
ich mit Dir die Ansicht teile, daß die ersten Aufrufe in Berlin
nicht ohne Anstoß von der ministeriellen Seite erfolgt sind.
Übrigens ist die andre Sekte der Lassallianer, die in Folge unsrer
Erklärung volte face gegen den Social-Demokrat machte, auch
ganz erbärmliches Gesindel. Die Kerls streiten sich nicht nur mit ı:
B. Becker und Konsorten, wer den wahren Glauben an Lassalle
habe, sondern verschiedne Gemeinden derselben haben die von
old Hatzfeldt inspirierte und direkt auf uns gemünzte Phrase
drucken lassen, daß jeder für einen Verräter an dem „Volk“
erklärt wird, der auch nur ein Tüttelchen an den von Lassalle zo
offenbarten Wahrheiten umzustoßen oder zu ändern suche.
Liebknecht habe ich seit sehr langer Zeit, trotz verschiedner
Zettel, die er an mich schickte, noch nicht geantwortet, was ich je-
doch jetzt tun will. Er ist jetzt einstweilen in Hannover, seine
Frau noch in Berlin. Mein Schweigen rührte teils daher, daß ich 25
sehr beschäftigt und außerdem mit meinen eignen troubles genug
zu tun hatte. Andrerseits war ich in der Tat wütend über ihn
wegen des Blödsinns, den er über mich im Berliner Lassalleverein
debütiert hatte und der in dem vom alten Saumensch durch einen
gewissen Schilling (Farthing wäre der mehr passende Name) ver- 3
öffentlichten Pamphletwisch über die Ausstoßung B. Beckers aus
besagtem Verein zu lesen steht. Mit seinem gewöhnlichen Talent,
aus Faulheit mit den Tatsachen unbekannt zu sein, schwatzt der
Kerl den größten Blödsinn über das Bangya-Manuskript, meine
Vermittlung für den Becker quoad Wiener „Beobachter“ etc. Und 5
außerdem die ganze Art, wie er als mein „Patron“ auftritt und
mich darüber bei den Berliner Knoten „entschuldigt“, daß sie
meine Arbeiten nicht kennen; überhaupt macht, als hätte ich bis-
her noch nichts in der aktiven Welt getan. Ich ließ daher einige
Zeit verstreichen, um ihm keine Grobheiten zu sagen und mich da- «
bei zu beruhigen, daß Liebknecht als Liebknecht funktionieren
muß, und daß seine Intentionen „gut“ sind. Die 30000% Mit-
glieder des Berliner „Altgesellenvereins“, ditto der dortige Buch-
druckerverein veranstalteten ihm bei seiner Ausweisung eine Art
1) Wohl ein Schreibfehler
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35 (Mit) 39 *
41 (daß) 4?