Full text: Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels 1861-1867 / herausgegeben von D. Rjazanov (Abt. 3, Briefwechsel, Bd. 3)

(727) 1861 Jan. 11 
727. Marx an Engels; 1861 Januar 11. 
11. Januar 1861. 
Lieber Engels, 
Gestern bekam ich einliegenden Wisch und werde so nicht län- 
ger umgehn können, für die Bücher den Kommissionären 2 £ 5sh. ı 
zu zahlen. Außerdem wird der transport an mein Haus auch noch 
about 10 sh. kosten. Steuer ist erlassen. Ich würde Dir sicher nicht 
wegen des Drecks schreiben, aber dura necessitas, indem ich ganz 
blanc bin. 
Umstehend Abschrift eines von H. Beta im Auftrag von u 
Gottfried Kinkel über „Herr Vogt“ geschmierten Wischs. 
Dein K. M. 
Magazin für Literatur des Auslands. 1861. Nr. 2. 
„— „Herr Vogt.“ — Von Karl Marx, In den ersten. Jahren der 
„Flüchtlinge“ wurden wohl manche Sümmchen ausgegeben, um ıs 
durch geheime Polizei furchtbare Geheimnisse und Verschwörun- 
gen auszuspüren. Die Mühe war groß, aber die Aernte ziemlich 
kläglich. Doch was die Furcht mancher Flüchtlinge vor ge- 
heimer Polizei betrifft, so hat sie sehr gewüthet. Es sind Männer 
davon thatsächlich wahnsinnig geworden. Andere renommierten 2 
freilich auch gern mit dieser Furcht und ließen es überall laut 
werden, daß fast alle Staaten Europa’s spezielle Spione gegen 
sie angestellt hätten. Das war Renommage, nicht Hypochondrie. 
Den Teufel selbst merkte das Völkchen nie, auch wenn er es beim 
Kragen hatte. Sie essen und trinken mit ihm, hatten ihn als Freund zs 
am Theetisch und merkten nicht, daß es ihm blos darauf ankam, 
sie zu verrathen, nicht für 30 Silberlinge, o nein! Er ließ sich’s 
sein eigenes, schweres Geld kosten, um diese Broschüre drucken 
zu lassen. Zehn Jahre lang scheint dieser Herr Karl Marx gearbei- 
tet und geschlichen und Briefe erwischt und kopirt zu haben, um zo 
auf eigene Rechnung und zum eigenen Vergnügen endlich als der 
erste unter allen Vidocq’s und Stieber’s auftreten zu können. Aller 
längst vergessene Schund und Irrthum aus der Flüchtlingsschaft 
von zehn Jahren her ist benutzt, kopirt, von Freunden beim Thee 
ermittelt worden, um Letztere ja nicht an den Pranger zu stellen. zs 
Jeder Mensch, wenn auch nicht Flüchtling, schreibt wohl ein Mal 
binnen zehn Jahren privatim etwas Unsinn oder Übereilung, wobei 
er auf die Diskretion von Freunden rechnet, auf Wegschwemmung 
im Strome der Zeit. Wenn aber Freunde diese gelegentlichen 
Schnitzel und Schnitzer sorgfältig sammeln, und mit Poesie so 4 
ausschmücken, daß Staub und Schmutz dabei umherfliegen, wie 
in den Broschüren des Herrn Marx, Aeußerungen einer 
Nr. 757
	        
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