Full text: Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels 1861-1867 / herausgegeben von D. Rjazanov (Abt. 3, Briefwechsel, Bd. 3)

(976) 1866 Mai 1 
976. Engels an Marx; 1866 Mai 1. 
329 
Manchester, 1. Mai 1866. 
Lieber Mohr, 
Ich hoffe, mit Deinem Rheumatismus und Gesichtsschmerzen 
; bist Du glücklich durch und sitzest wieder fleißig über dem Buch. 
Wie steht’s damit, und wann wird der erste Band fertig? Übrigens 
mußt Du den Arsenik fortnehmen, er soll mindestens 3 Monate lang 
genommen werden und steht mit Rheumatismus etc. durchaus nicht 
in Verbindung. Die Lebergeschichten mögen durch Störung der 
o Verdauung resp. Blutbildung mit zu den Karbunkeln beigetragen 
haben, und eben deswegen wirst Du auch immerfort Dir noch täg- 
lich regelmäßig einige Stunden anhaltende Bewegung machen und 
das Nachtarbeiten lassen müssen, damit Alles wieder in Ordnung 
kommt. Wo einmal die Tendenz zur Hyperämie der Leber so klas- 
ıs sisch und systematisch ausgebildet worden ist, wie bei Dir, geht 
sie natürlich nicht so auf ein Mal wieder fort. 
Gut, daß Du Dir wegen des Kongresses und der International 
Association keine weiteren Sorgen zu machen hast. Apropos, nach 
Edinburg ist eine Schiffsladung von 57 deutschen Schnei- 
% dern importiert worden to put down a strike, und 2 andre Ladun- 
gen werden erwartet. Wahrscheinlich von Hamburg. Könnt Ihr 
nicht in Edinburg die Details erfahren und auch dies stoppen? 
Bismarck will Krieg ä tout prix, und nachdem er in Böhmen 
gescheitert ist, scheint es ihm in Italien gelingen zu wollen. Ich 
» hoffe, wenn es ihm gerät, daß die Berliner losschlagen. Prokla- 
mieren sie dort die Republik, so kann ganz Europa in 14 Tagen 
umgewälzt sein. Aber, aber werden sie? Wie steht’s mit unsern 
Verbindungen dort? 
Hast Du gesehn, wie Louis Blankchen im Temps jetzt als guter 
wo dä&mocrate imperial erklärt, daß, wenn Preußen die deutschen 
Kleinstaaten absorbiert, Frankreich min destens das linke 
Rheinufer haben müsse? Das sind die rechte Art Revolutionäre. 
[ch habe dieser Tage, um meinen alten Ingrimm wieder etwas 
aufzustacheln, das Buch von dem 1849er Dresdner Gefangnen 
ıs Röckel über seine Behandlung im Zuchthaus gelesen. Diese In- 
famieen der Sachsen übersteigen Alles, was mir je vorgekommen. 
Es wird über sehr viele Canaillen ein strenges Gericht zu halten 
sein. Die alte Zeit vor 1848 kannte solche Schweinereien gar 
nicht, und die preußischen Festungen von damals kommen einem 
u wie ein Paradies dagegen vor. 
Diese Adullamiter sind doch kolossale Esel, so gegen diese 
pauvre Reformbill anzugehn, das konservativste Ding, das je hier 
zemacht worden ist. Indessen quem deus vult perdere etc.
	        
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