Full text: Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels 1861-1867 / herausgegeben von D. Rjazanov (Abt. 3, Briefwechsel, Bd. 3)

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(987) 1866 Juli 7 
gabe machen mußt, schon vom Parteistandpunkt aus. Er meint zu- 
gleich, nach seinen persönlichen Erfahrungen, daß gleich nach 
dem Krieg „die Arbeiterfrage“ in Deutschland merkwürdig in 
den Vordergrund treten wird. 
Freiligrath hat einen kleinen lyrisch-wehmütigen Schiss über 
den Bruderkrieg erlassen, den seine Tochter Kate im heutigen 
Athenäum verenglischt hat. 
Nächst einer großen Niederlage der Preußen, die vielleicht 
(aber die Berliner!) zu’ einer Revolution geführt hätte, konnte 
nichts Besseres passieren als ihr immenser Sieg. Thiers hatte die ı 
Politik Bonapartes, Preußen „machen“ zu helfen, mit solchem Er- 
folg (denn nächst den Engländern haßt der Franzos eigentlich 
nur die Preußen) denunziert, daß Boustrapa die französisch ok- 
troyierte Konstitution ändern und die Debatte über die Adresse. 
par ordre du Moniteur „abschaffen“ mußte. (Ich lege Dir x 
die Rede J. Favres über Mexiko und Glais Bizoins schlechte Witze 
bei, damit Du siehst, welches die Situation B[oustrapals vor dem 
Ausbruch des Kriegs war.) Herr Bonaparte rechnete darauf, daß 
Sieg und Niederlage zwischen Preußen und Östreichern hin und 
her schwanken würde, so daß er schließlich als Jupiter Scapin zo 
zwischen die Abgematteten dreintreten könne. Der Erfolg der 
Preußen setzt sein Regime wirklicher Lebensgefahr in Frankreich 
aus (es ist seine zweite große Verrechnung seit dem amerikani- 
schen Bürgerkrieg), wenn es ihm nicht gelingt, die Friedens- 
bedingungen zu diktieren. Andrerseits macht es derselbe Erfolg 25 
(wir sind nicht mehr anno 1815) der Preußendynastie unmöglich, 
kaum möglich, andre Bedingungen anzunehmen als solche, die 
Östreich zurückweisen muß, gar nicht zu sprechen von der Un- 
möglichkeit für den Schönen Wilhelm, alias Alexander den Gro- 
ßen, deutsches Land an Frankreich abzutreten. Die Entscheidung z 
der Preußen wird vom „Neffen“ in Petersburg abhängen. Es ist 
unmöglich zu sagen, was der tun wird, da man dazu das Material 
der russischen Staatskanzlei besitzen müßte. Aber ich für meinen 
Teil begreife nicht, wie die Russen, überdem durch die östrei- 
chische Abweisung ihrer Hilfe verletzt, Östreich erlauben können, 35 
wieder zum Atem zu kommen, und diesen günstigen Augenblick 
für ihre Donau-Türkenmanöver zu missen. Herr Viktor Emanuel 
ist auch in einer schönen Sauce. Venedig gehört jetzt dem Bona- 
parte. Nimmt er es von ihm als Geschenk, so ist seine Dynastie 
fertig. Andrerseits, was kann er gegen Frankreich und wo« 
kann er Östreich jetzt angreifen? 
Was sagst Du aber zu unserm Föxchen, der atemlos vor- 
gestern in unser Haus stürzte mit dem Ausruf: „Bonaparte hat 
Deutschland gerettet!“ Dies ist die Ansicht von Beesly, Har- 
rison etc. und der ganzen Comteistclique. Schreib mir bald. da der 4
	        
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