(988) 1866 Juli 9
dieser arbitre de ]l’Europe existiert, Und dann dieser Bismarck
selbst, der, um im Innern einige Monate scheinbar feudal und
absolutistisch regieren zu können, nach Außen die Politik der
Bourgeoisie with a vengeance verfolgt, der Bourgeoisie die Herr-
schaft präpariert, Wege einschlägt, auf denen nur mit liberalen,
selbst revolutionären Mitteln voranzukommen ist, und dabei seine
eignen Krautjunker ihren eignen Prinzipien tagtäglich ins Gesicht
schlagen läßt. Die Überreicher des Ehrenschilds an Franz Bomba
alliiert mit Garibaldi, und die Vertreter der Throne von Gottes
Gnaden Länderschlucker trotz Viktor Emanuel! Nie gab es was x
Schöneres als die Kreuzzeitung während der letzten 4 Wochen, und
die historisch-feudale Partei, deren Begründung dem hochseligen
Genie Flriedrich] W[ilhelms] IV. so viel Mühe und Arbeit ge-
kostet, erstickt jetzt an dem Dreck, den sie auf Kommando ihres
eignen Führers fressen muß.
Die einfache Tatsache ist: Preußen hat 500000 Zündnadel-
gewehre und die übrige Welt keine 500. Unter 2, 3, vielleicht
5 Jahren kann keine Armee mit Hinterladern bewaffnet sein. Bis
dahin hat Preußen das prae. Glaubst Du, daß Bismarck den Mo-
ment nicht ausnutzen werde? Sicher. Der Bonaparte wird sich zo
sehr hüten, Krakeel anzufangen, und was die Russen angeht, so
brüllen sie zwar sehr grob in dem Journal de St. Petersbourg, aber
sie sind militärisch jetzt weniger zu fürchten als je. Ich zweifle
gar nicht, daß die plötzliche, ungeheure Machtentwicklung Preu-
ßens Bonaparte und die Russen zusammentreiben wird, und daß 25
ihr erstes Bemühen sein wird, alle und jede Machtvergrößerung
Preußens zu verhindern. Aber sie werden sich hüten, es zum Krieg
kommen zu lassen; was Frankreich angeht, so wäre seine aktive
Einmischung ja das beste Mittel, die Süddeutschen den Preußen
vollends in die Arme zu-treiben und den Bürgerkrieg vergessen %
zu machen. Und was die Russen angeht, so ist Monsieur Bismarck
der Mann, ihnen mit einer neuen polnischen Insurrektion zu
drohen, und sie wissen, daß der Kerl gewissenlos genug dazu ist.
Überhaupt kennt B[ismarck] seine Macht zu gut und weiß auch,
daß sie in diesem Maß nur ein paar Jahre dauern kann, und ich z
glaube, er wird sie ausbeuten bis aufs letzte Stückchen. Dazu ist
Bonaparte am Ende immer mit Belgien zu kaufen, und der Plan
der Teilung Belgiens zwischen Frankreich und Holland, welches
dann Luxemburg an Frankreich abtreten würde, ist zwischen Goltz,
Bonaparte und dem Kronprinzen von Holland gar nicht lange vor «
dem Krieg „in Aussicht genommen worden“. Ich glaube, es ist
noch lange nicht am Ende mit dem Krieg, und da kann sich noch
Manches ereignen.
Die Russen scheinen wirklich schon seit einiger Zeit die
Schwenkung nach Östreich zu gemacht zu haben. und dieser 45
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