(1002) 1866 Okt. 5
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den Einfluß des jüngeren oder älteren Bodens, korrigiert durch
die Kreuzung, für die alleinige Ursache der Veränderungen
organischer Spezies resp. Rassen erklärt, so sehe ich platterdings
keinen Grund, dem Manne so weit zu folgen. im Gegenteil sehr
; viele Einwände dagegen.
Du sagst, Cuvier habe auch den deutschen Naturphilosophen
Unkenntnis der Geologie vorgeworfen, als sie die Veränderlich-
keit der Spezies behaupteten, und sie hätten doch Recht behalten.
Die Sache hatte aber damals mit der Geologie nichts zu tun; wenn
vo aber Jemand eine auf Geologie ausschließlich begrün-
dete Theorie der Speziesveränderung aufstellt und doch solche
geologische Schnitzer macht, die Geologie ganzer Länder (z. B.
Italiens und selbst Frankreichs) verfälscht und den Rest
seiner Beispiele aus denjenigen Ländern zieht, von deren Geologie
s wir so gut wie gar nichts wissen (Afrika, Zentralasien etc.), so ist
das doch ganz etwas Anderes, Was speziell die ethnologischen
Exempel angeht, so sind diejenigen, die überhaupt von bekannten
Ländern und Völkern handeln, fast ohne Ausnahme falsch, ent-
weder die geologischen Prämissen oder die daraus gezogenen
x» Schlüsse — und die vielen entgegenstehenden Exempel läßt er
ganz aus, Z. B. die Alluvialebenen im innern Sibirien, das enorme
Alluvialhassin des Amazonenflusses, das ganz alluviale Land
züdwärts vom La Plata bis beinahe an die Südspitze Amerikas
(östlich von den Kordilleren).
» Daß die geologische Struktur des Bodens mit dem „Boden“,
worauf überhaupt etwas wächst, sehr viel zu tun hat, ist eine alte
Geschichte, ebenso, daß dieser vegetationsfähige Boden auf die
Pflanzen- und Tierrassen, die darauf leben, einen Einfluß übt.
Daß dieser Einfluß bisher‘'so gut wie gar nicht untersucht worden
» ist, ist auch richtig. Aber von da bis zu der Theorie Tremaux’ ist
ein kolossaler Sprung. Es ist jedenfalls ein Verdienst, diese bis-
her vernachlässigte Seite hervorgehoben zu haben, und wie ge-
sagt, die Hypothese von dem entwicklung-fördernden Ein-
fluß des Bodens im Verhältnis je nachdem er geologisch älter oder
neuer ist, mag innerhalb gewisser Grenzen richtig sein
(oder auch nicht), aber alle weiteren Schlüsse, die er zieht, halte
ich für entweder total unrichtig oder heillos einseitig übertrieben.
Das Buch von Moilin hat mich namentlich wegen der von den
Franzosen durch Vivisektion erlangten Resultate sehr interessiert;
wo es ist der einzige Weg, die Funktionen bestimmter Nerven und
die Wirkungen ihrer Störung festzustellen; die Kerle scheinen
die Tierquälerei bis zu einem hohen Grad der Vervollkommnung
gebracht zu haben, und ich kann mir die heuchlerische Wut der
Engländer gegen Vivisektion sehr gut erklären, diese Experimente
« kamen den schlafmützigen Herren hier gewiß oft sehr unange-