Full text: Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels 1861-1867 / herausgegeben von D. Rjazanov (Abt. 3, Briefwechsel, Bd. 3)

366 
_ (1005) 1866 Nov. 11 
1005. Engels an Marx; 1866 November 11. 
86 Mornington Street, 
11. November 1866. 
Lieber Mohr, 
Besten Dank für die Free Press, Kannst Du mir die No. von 
August und September schicken? Ich habe sie nicht be- 
kommen. 
Inliegend die 2ten Hälften der 30 Pfund. Ich schickte Dir 
gern mehr, aber ich kann’s wahrhaftig nicht. Ich will sehn, was 
ich nächsten Monat tun kann, und am 31. Dezember werden wir ı 
wieder Bilanz machen; wenn die gut ausfällt, so läßt sich auch 
wohl noch was machen. 
Die Anzeige, daß Manuskript abgegangen ist, wälzt mir einen 
Stein von der Seele. Endlich also ein commencement d’execution, 
wie der Code penal sagt. Hierfür trinke ich ein besondres Glas 1 
auf Dein spezielles Wohl. Das Buch hat sehr viel dazu beige- 
tragen, Dich kaputt zu machen, ist es erst abgeschüttelt, so wirst 
Du auch wieder ein ganz andrer Kerl werden. 
Ich hoffe, der Birch hat den Port gestern noch abgeschickt, 
bin aber dessen nicht so sicher, jedenfalls aber kommt er Mon- 20 
tag Abend oder Dienstag Morgen sicher an. 
Die Preußen bleiben Preußen. Dafür, daß Twesten und Fren- 
zel für die Indemnität gestimmt, werden sie wegen Kammerreden 
belangt. Man begreift solche Dummheit nicht, aber sie ist eben 
Prinzip. Die Wut der F rankforter Borjer dauert noch immer fort, 25 
sie spielen jetzt Polen, gehn in Trauer und tragen Krawatten mit 
den Frankfurter Landesfarben. Ein preußischer Leutnant kam 
in Sachsenhausen in ein Wirtshaus, wo alles besetzt war. An einer 
Ecke stand Jemand auf und ging fort, worauf sein Nachbar dem 
Leutnant den leeren Stuhl zeigte, der aber dankte: er setze sich zo 
nicht gern auf einen warmen Stuhl. OÖ, sagte der andere, davor 
brauchen Sie nicht bange zu sein, seit die Preußen hier sind, geht 
uns Allen der Arsch mit Grundeis. 
Über die Reichskriegsführung habe ich die wunderbarsten Ge- 
schichten hier gehört von Augenzeugen. Solche Sachen sind noch 35 
nie dagewesen, Z. B. bei Höchst sollten die Nassauer eine Brücke 
über den Main schlagen. Nachdem sie einmal wegen Sturms 
(ein Sturm auf dem Main! ) nicht zu Stande gekommen waren, 
fanden sie beim 2ten Versuch, daß sie zu wenig Pontons 
hatten und nur halb über den Main wegbrücken konnten. Sie « 
schrieben also nach Darmstadt, man solle ihnen einige Pontons 
pumpen, die dann auch endlich ankamen, und so wurde die Brücke 
über den forchterlichen Strom fertig. Gleich drauf bekommen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.