(736) 1861 Febr. 14
736. Marx an Engels; 1861 Februar 14.
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14. Februar 1861.
Lieber Frederick,
Du mußt mich sehr entschuldigen, daß ich Dir auf Deinen sehr
5 liebenswürdigen Brief nicht gleich geantwortet habe. Du wirst
unterdes schon Schreiben von Philister Freiligrath erhalten haben.
Ich hatte und habe noch eine Unmasse Rennereien. Ich be-
zwecke nämlich nach Holland zu gehn, um meine hiesigen An-
gelegenheiten, die sonst mir über den Kopf wachsen, in Ordnung
vo zu bringen. Dazu bedarf ich zweierlei, Paß und Geld, und beides
werde ich wohl d’une maniere ou d’une autre hier auftreiben.
(Vielleicht muß ich bis Aachen.)
Dem Lassalle habe ich noch nicht geschrieben. Die Geschichte
mit einer Wochenschrift wäre wohl die beste, aber doch andrer-
ıs seits, wie viel riskiert man bei der Taktlosigkeit unsres Freundes,
wenn er an Ort und Stelle sitzt, die Hauptredaktion führt und so
in der Lage ist, uns alle hineinzureiten! Er natürlich würde die
Sache gleich als Parteiorgan betonen, und so würde man für alle
Dummpheiten mitverantwortlich und sich die Position in Deutsch-
land verderben, bevor man sie wieder gewonnen hat. Dies ist
sehr ernstlich zu überlegen.
Die Conspiration de silence der deutschen Presse schadet dem
Verkauf von „Herr Vogt‘ wesentlich. Der erste glückliche An-
lauf ist dadurch zum stand-still gebracht. Die Allglemeine]
Zeitlung] scheint beinahe entschlossen, auch Buchers Kritik
nicht zu bringen. Wenigstens wird sich das jetzt in ein paar
Tagen entscheiden, da sie viel länger nicht hinausschieben kann,
wenn sie überhaupt drucken will. Kolatschek ist sicher.
Meine Frau empfiehlt Dir HansIbeles von Johanna Mockel
z zu lesen, worin Willich als Wildemann ” figuriert etc., die Frau
von Brüning als Platonina und Lause-Kinkel als Don Juan. Ich
selbst weiß von dem Zeug nur, was meine Frau mir davon er-
zählt hat. Sie sagt, das Buch liefre den vollen Beweis, daß Jo-
hanna Mockel aus Liebesgram sich zum Fenster hinausgeschmis-
z sen. (Übrigens — by the by — ist meine Frau noch lange nicht
wieder Gesichtglatt und wird das wohl noch eine längere Frist
dauern.) Jedenfalls gut von dem Pfaffen Kinkel, daß er aus den
Confessions der toten Mockel Geld macht, sie an Cotta verkauft,
um es mit der ihm nunmehr schon Kind geliefert habenden Minna
u Werner zu verzehren. Die Pfaffen sind die allerklügsten Leute.
Allerdings war Johanna Mockel bitteres Fleisch, und auch ihr
Atem war sauer trotz aller Musikschwärmerei.
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ı) Im Orig. Wildmann
BP. 29-—42 —