Full text: Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels 1861-1867 / herausgegeben von D. Rjazanov (Abt. 3, Briefwechsel, Bd. 3)

(741) 1861 Juni 9 
mann wirst Du gesehn haben, um was es sich handelt, Die defini- 
tive Sitzung ist auf nächsten Sonnabend über 8 Tage vertagt. In der 
Zwischenzeit ist Juch, mit den supplies dazu von einem deutschen 
Citykaufmann ausgerüstet, nach Koburg, um zu bewirken, daß der 
Jortige Zentralausschuß des National-Vereins den Zerffi (also 
implicite Kinkel) ausstößt, Es ist gottvoll, daß Gottfried das 
ganze liberale Bürgertum in der City durch seine Speichelleckerei 
vor den Engländern in fanatische Wut versetzt hat. — Auch von 
Bonn sind Briefe angelangt, worin dem Gottfried „mit Prügeln“ 
bei seiner Rückkehr gedroht wird. Das Geheimnis, warum Zerffi ze 
(der direkt wohl im Auftrag) und Gottfried für Mac Donald auf- 
treten: Gottfried hat eine englische Anstellung als Vorleser bei 
dem Kensington Museum, der brave Zerffi bei einer Ashley 
(Shaftesbury) Institution. Die einzigen allies des Gottfried sind 
die Knoten der „unpolitischen‘“ Gesang- und sonstiger Kneip- z 
vereine, Letztre hat Gottfried (wohl mit englischem Geld) in der 
letzten Woche massenhaft in den National-Verein eingekauft. (Es 
kann nämlich jeder Mitglied des Sauvereins werden, der eine 
Karte bei Trübner löst, mit minimum contribution von 3 sh.). Ditto 
hat Gottfried eine Privatversammlung gehalten mit seinen Anhän- 2 
gern und Deputation an Heintzmann geschickt, der solle (wegen 
Verletzung von Gottfrieds Würde) freiwillig seine Präsidenten- 
stelle niederlegen oder man werde einen Antrag zu diesem Zweck 
stellen. — By the by muß ich nicht vergessen, daß, als der Skan- 
Jal im Gang war, mein Freund Rheinländer in den Verein trat 25 
(nach Verabredung mit mir) und ein halbhundert Mitglieder 
(meist Kommis) aus seinem Islington Gesangverein hineinbrachte, 
die den Hauptskandal gegen Gottfried erhoben. — Rheinländer 
sagt mir, daß die deutsche Citykaufmannschaft sich noch nie so 
fanatisch an einer politischen Sache beteiligt hat. Es wäre unbe- z 
zahlbar, wenn Gottfried gezwungen würde, wegen Kriecherei gegen 
sine fremde Regierung aus dem Nationalverein auszutreten. Damit 
wäre seine Position beim deutschen middleclassgesindel am Ende, 
und was ist er ohne die? Gottfried fühlt, daß es sich hier für ihn 
um Stehn oder Fallen handelt, und ist daher in seiner Weise tätig. z 
Was ihn noch besonders kränkt, daß er jetzt überall hört: „Das 
‚Volk‘ und ‚Marx‘ hätten doch Recht gegen ihn gehabt“. Bei einem 
Bekannten des Druckers Hirschfeld äußerte er: „Die Schwefel- 
bande stecke als unsichtbarer Leiter hinter der ganzen Geschichte.“ 
[st es nicht schön, daß wir, die keinen Finger rühren, von unsern 4 
Feinden mit so mystischer „Tatkraft‘““ ausgestattet werden? 
Die zweite Einlage, die ich Dir schicke (und zurück bitte, da 
ich antworten muß) ist Brief von der Hatzfeldt. Ich werde mir die 
als Privatkorrespondent halten in Berlin, da sie ungleich mehr 
politischen Verstand (abgesehn von ihren guten resourcen) hat als 45 
Z. 8 (Auch)—14.
	        
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